Städel Blog

Er hat seine Bilder zu Lebzeiten weder öffentlich ausgestellt, noch jemals eines davon verkauft. Was darum nur die wenigsten wissen: Der französische Nationaldichter Victor Hugo war ein heimlicher Künstler. Schwarzromantische Kulissen erschuf er mit beiden Seiten seiner Schreibfeder: Mit dem Federkiel schrieb der Autor des „Glöckners von Notre Dame“ seine Romane nieder, mit der Federfahne hielt er seine dunklen Visionen im Bild fest. Für ihn waren es „Stunden fast unbewusster Träumerei“, in denen er mit Klecksen, Tropfen und Strichen zu Zeichnungen gelangte, die in ihrer für die damalige Zeit völlig unorthodoxen Art an Actionpaintings erinnern. Noch bis zum 20. Januar 2013 sind diese Zeichnungen in der „Schwarzen Romantik“ zu entdecken.

Victor Hugo; Ein befestigtes Schloss zwischen zwei Brücken; undatiert; © Maisons de Victor Hugo, Paris et Guernesey

Romantisches Frankfurt

So gegensätzlich die Großstadt Frankfurt am Main und die Epoche der Romantik auf den ersten Blick erscheinen, so gibt es doch vielfältige Verbindungen zwischen der pulsierenden Bankenmetropole und der kulturgeschichtlichen Epoche des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Mareike Hennig vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain erläutert diese Verzweigungen, die sich nicht nur in der „Schwarzen Romantik“ wiederfinden lassen, sondern in Frankfurt RheinMain im kommenden Jahr auch in zahlreichen stattfindenden Literatur- und Musikveranstaltungen, Symposien und Exkursionen.

In der Ausstellung „Rheinromantik in Kunst und Natur“ im Museum Wiesbaden zu sehen: Joseph Mallord William Turner; Am Rhein; Blick von der Burg Rheinfels über St. Goar auf die Burg Katz; 1844 © The Ashmolean Museum, Oxford

In der „Schwarzen Romantik“ sind neben Gemälden, Skulpturen und Zeichnungen auch Klassiker des Horrorfilms zu entdecken, denn auch die Filme „Frankenstein“, „Nosferatu“ oder „Dracula“ vermögen es, beim Betrachter nicht nur Unbehagen, sondern einen angenehmen Schauer hervorzurufen. Stefanie Plappert vom Deutschen Filmmuseum führt in die Welt des frühen Horrorfilms ein und zeigt auf, welche Einflüsse die bildenden Künste auf die filmischen Werke hatten. 

Filmstill aus dem Film Nosferatu (1922) von Friedrich Wilhelm Murnau, © Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

 

FÜNF FRAGEN AN GÖTZ ALSMANN

In der Ausstellung „Schwarze Romantik“ treffen wir unverhofft auf prominenten Besuch: Der bekannte Jazzmusiker und Moderator der beliebten Fernsehsendung „Zimmer frei!“, Götz Alsmann, ließ sich von den Werken der Schwarzen Romantik in ihren Bann ziehen. Einer spontanen Interviewanfrage stimmt er sofort zu und wir erhalten auf fünf Fragen spannende und sympathische Einblicke in die Perspektiven eines promovierten Musikwissenschaftlers auf die Kunst.

Fünf Fragen an Götz Alsmann stellten Hanna Pahl (links) und Annabell Hurle (rechts), Mitarbeiterinnen des Städel Museums.