Albrecht Altdorfer , Anbetung der Könige, um 1530/35, Lindenholz, 108,9 x 77,0 cm, Städel Museum, Frankfurt am Main

Wenn man in der Vorweihnachtszeit in die Einkaufsmeilen schaut, sieht man Menschen am Rande der Verzweiflung durch die Straßen eilen. „Was schenke ich nur meinen Liebsten?“ steht in sprichwörtlichen Buchstaben in ihren Gesichtern geschrieben. Dies dürften sich die legendären weisen Männer aus dem Morgenland – wie sie auch Albrecht Altdorfer (um 1480– 1538) in seinem Werk „Die Anbetung der Könige“ um 1530/35 darstellt –  nicht gefragt haben, als sie sich, von einem Stern geleitet, auf die Suche nach dem neugeborenen König der Juden nach Betlehem begaben. Diesem Kindlein brachten sie die schönsten und kostbarsten Dinge: Gold, Weihrauch und Myrre. Ob diese nun kindgerecht waren oder nicht, sei dahingestellt, aber sie waren eines Königs würdig.

Christus erhaben über alles

Dem christlichen Verständnis nach ist Jesus Christus  nicht nur Sohn Gottes, er ist auch  Herrscher über die Welt. In der Kunst  wird diese Glaubensvorstellung  etwa mit dem Bildsujet der „Anbetung der Könige“ verdeutlicht. In den Darstellungennien drei Könige vor einem kleinen Kinde nieder, beten es an und bringen ihm teure Geschenke. Altdorfer setzt diese Könige in seinem Werk besonders in Szene: Ihre Gewänder arbeitet er filigran aus, sie sind aus edlen Stoffen gefertigt und mit Marderpelz  gesäumt. Das überbordende Gewand des greisen Königs ist im Übermaß mit Gold bestickt und die Nestelbänder (Bändchen, mit denen man im Mittelalter Gewänder zuband oder Gewandteile „anknüpfte“) erscheinen aus purem Gold. An den goldenen Stiefeln trägt er ebenso goldene Sporen. Die Könige halten wertvolle Goldschmiedearbeiten in den Händen, die sie dem Jesuskind zum Geschenk machen.

Im verfallenen Palast König Davids

Sie, die mächtigen Herrscher, huldigen in all ihrer Pracht einem Neugeborenen, das auf dem Schoß seiner Mutter in ein Windeltuch eingehüllt sitzt. So wird die Botschaft dieses Bildes überdeutlich: Selbst der größte weltliche Reichtum tritt vor dem Gottessohn zurück. Das bekräftigt auch der Bildhintergrund: Christus wurde in einem verfallenen Stall in Bethlehem geboren, so die biblische Geschichte, aber in der Legendenbildung wird dieser Stall schon bald der verfallene Palast König Davids, den man auch in Gemälden motivisch umfunktionierte.

Albrecht Altdorfer greift ebenfalls  auf dieses Motiv zurück und erschafft eine monumentale Architektur, weitläufig wie eine gotische Kathedrale, in deren Mitte das Christuskind angebetet wird. Josef sowie Ochse und Esel erscheinen ganz klein im linken Hintergrund. Den eigentlichen Mittelpunkt des Gemäldes aber bildet Christus auf dem Schoß seiner Mutter im Palast König Davids, angebetet von den Königen aus dem Morgenland. In der Legende werden die drei Könige oft als die Herrscher der drei Weltteile verstanden, die vor Christus niederknien. Auch das unterschiedliche Alter der Könige hat seine Bedeutung: Sie knien als Greis, Erwachsener und Jüngling vor Christus, der so auch über das Alter erhaben ist.

Ganz klein im Hintergrund kann man Josef und einen Hirten erkennen. Detail aus: Albrecht Altdorfer, Anbetung der Könige, um 1530/35, , Städel Museum, Frankfurt am Main

Ich bin das Licht der Welt

Der Legende nach war das Christuskind bei seiner Geburt von hellem Licht umgeben. So hell, dass jedes irdische Licht dagegen verblasste. In der Umsetzung in Gemälden führte das dazu, dass das Jesuskind häufig nahezu weiß dargestellt und zu einer Lichtquelle in der Heiligen Nacht wurde. Altdorfer setzt das Christuskind ebenfalls als Lichtquelle ein, die die Gesichter der ihn umgebenden Könige hell erleuchtet. Die Farbpigmente des heute etwas seltsam anmutenden Heiligenscheins sind stark abgerieben. Ursprünglich dürfte es sich dabei um einen mit roten Kreuzstrahlen belegten Flammenkranz gehandelt haben.

Ehrerbietig

Albrecht Altdorfer setzt den Fokus in diesem Bild bewusst auf die Augenhöhe des Christuskindes, sodass der von ihm gedachte Betrachter nicht umhin kommen soll, sich in die Rolle des greisen Königs versetzt zu fühlen, kniend das Kind huldigend. Die Ausstellung „Fantastische Welten. Albrecht Altdorfer und das Expressive in der Kunst um 1500“ und unser Bild des Monats sind noch bis zum 8. Februar 2015 im Städel Museum zu sehen.