Auch Goethe war ein großer Verehrer und sagte über dessen Landschaften, sie hätten „die höchste Wahrheit, aber keine Spur von Wirklichkeit“. Sowohl in der Malerei, als auch in Zeichnung und Druckgrafik schuf Claude Lorrain außergewöhnliche und eigenständige Werke. Seine idealisierten Landschaften, die durch genaueste Planung scheinbar natürlich erscheinen, können in der Ausstellung anhand der 130 Arbeiten bewundert werden. Denn dem „Meister des Lichts“ ist es gelungen, in allen drei Medien atmosphärische Nuancen in der Natur wiederzugeben, zum Beispiel die Darstellung der ersten Sonnenstrahlen am Morgen oder der abendlichen Stimmung bei Sonnenuntergang.

Zu Lorrains frühen Gemälden gehört die “Landschaft mit ländlichem Tanz”, um 1637. Foto: Norbert Miguletz

Claude Lorrain unternahm viele Wanderungen in der Umgebung von Rom und zeichnete direkt in der Natur. Diese Studien verarbeitete er wie Bausteine in seinem Werk – eine sehr unakademische Arbeitsweise im 17. Jahrhundert. Zunächst konzentrierte sich Lorrain auf arkadische Hirtenszenen und Hafenansichten, im Laufe der Jahre entwickelte er eine einzigartige Perfektion in der Landschaftsmalerei. In seinem späteren Werk dominieren biblische und mythologische Motive. Die Themen sind immer in die Natur eingebettet und spiegeln sich in ihr wider.

Pressekonferenz mit Städel-Direktor Max Hollein und den Kuratoren Dr. Martin Sonnabend (Städel Museum) und Dr. Jon Whiteley (Ashmolean Museum, Oxford. (v.l.)

 

Zum ersten Mal ist die grafische “Feuerwerks”-Folge komplett ausgestellt.

Das Städel besitzt neben fünf Zeichnungen und etwa 40 Radierungen ein bedeutendes spätes Gemälde des Meisters, die „Landschaft mit Christus, der Maria Magdalena erscheint (Noli me tangere)“ (1681). Zusätzlich konnte das Haus – mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und der Hessischen Kulturstiftung – in den letzten Jahren eine seltene Radierung aus der spektakulären Folge des „Feuerwerks“ (1637) und eine bedeutende Zeichnung aus dem sogenannten Wildenstein-Album, die „Tänzerin mit Tamburin und Dudelsackspieler“ (1648), erwerben, die als eine der schönsten Figurenstudien Claude Lorrains gilt.

Lorrain komponierte zahlreiche Pendants – Gegenstücke, die sich aufeinander beziehen. Foto: Norbert Miguletz

Claude Gellée, genannt Le Lorrain („der Lothringer“) wurde um 1600 in einem Dorf bei Nancy in Lothringen geboren. Als Heranwachsender gelangte er nach Rom, wo er bis an sein Lebensende blieb. Der Künstler war mit seinen Gemälden bald so erfolgreich, dass er den Papst, mächtige Kardinäle und europäische Fürsten zu seinen Auftraggebern zählen konnte. Ab Mitte der 1630er-Jahre bis an sein Lebensende konnte Lorrain, der keine große Werkstatt unterhielt und so gut wie keine Schüler hatte, der Nachfrage nach seinen Gemälden kaum nachkommen. Sein Œuvre umfasst rund 250 Gemälde, 1.200 Zeichnungen und 44 Druckgrafiken.