Justierung des Werks “Integration Stehlinsen” im Städel Garten (1990)

Noch sind die Vorbereitungen für die Präsentation in vollem Gange – große Hohlspiegel und Linsen werden auf den Gartenflächen rund um das Städel justiert, die entstehenden Lichtreflexionen betrachet, die Positionierung der einzelnen Objekte zueinander ausgelotet. Denn diese Aspekte im Werk Adolf Luthers sind bestimmend für die  Wahrnehmung seiner Kunst: Luthers Arbeiten, Installationen aus Glas, Metall, Spiegeln, Linsen, Lasern oder Rauch, befassen sich allesamt mit Licht, Raum und Bewegung. So etwa auch das Werk „Integration Hängebrücke“ von 1979, das nun ab dem 6. Juni auf einer Länge von über zehn Metern und mit sechs raumgreifenden Hohlspiegeln die Umgebung des Städel Gartens und die Frankfurter Skyline auf neue Art und Weise erlebbar machen wird. Ein Gespräch zwischen Prof. Klaus Honnef und Dr. Martin Engler, Sammlungsleiter Gegenwartskunst am Städel Museum, eröffnet die Präsentation der Arbeiten am 6. Juni um 19 Uhr im Metzler-Saal des Museums. Honnef, ehemaliger Ausstellungsleiter des Rheinischen Landesmuseums Bonn, war enger Weggefährte des Lichtkünstlers.

Aufbau der Arbeit “Integration Sphärische Hohlspiegelwand” (1985)

Eine Welt hinter dem Schein

Adolf Luther, der eigentlich Jurist war, arbeitete zunächst als Verwaltungsrichter. Als künstlerischer Autodidakt schuf er seit Anfang der 1960er Jahre Lichtobjekte und untersuchte dabei auch die Beziehung von Licht und Materie im Bereich der sinnlichen Wahrnehmung. Damit hatten sich bisher überwiegend Naturwissenschaftler beschäftigt – und Impressionisten. Luther schaffte es, seine Untersuchungen von der Leinwand in den realen Raum zu übertragen und darzustellen. Denn im Medium der Malerei sah Luther keine Möglichkeit, Licht, Bewegung und Energie wiederzugeben.

Von anderen Künstlern seiner Zeit wurde Luthers Methodik eher wissenschaftlich aufgefasst und missdeutet. Auch die damalige zeitgenössische Kunstkritik bezweifelte den künstlerischen Anspruch seiner Arbeiten und verstand ihn eher als Wissenschaftler, denn als Künstler. Aus heutiger Sicht kaum noch nachvollziehbar: Luther wurde als „Ingenieurkünstler“ abgestempelt und zum Außenseiter der Kunstszene. „Die Wahrheit steckt nicht in der Übereinstimmung mit der optischen Realität. Es gibt eine Welt hinter diesem Schein, die sich auch darstellen lässt. Ich werde einen Stil erfinden, der es mir ermöglicht, auch die jenseits der optischen Realität liegenden Wahrheiten darzustellen“, erläuterte Luther selbst die Intention seiner Arbeiten.

Aufbau der Arbeit “Integration Hängebrücke” (1979)

Installationen und Performances im Städel Garten

Adolf Luthers „Integrationen“ sind Teil der neuen Reihe „Im Städel Garten“, bei der wechselnde Installationen und Performances der Gegenwartskunst im Garten rund um das Städel gezeigt werden. Viktoria Draganova, Mitarbeiterin der Abteilung Gegenwartskunst am Städel, war für die Projektleitung zuständig und erläutert die Idee dieser Reihe:  „Die grundsätzliche Frage war, wie der Städel Garten noch mehr bespielt werden kann. Unsere Überlegung war dabei von Beginn an, installative Objekte in den Garten zu bringen.“

Den Auftakt für die Reihe bildete im April 2013 die aufwendig inszenierte Performance „Watering Hole“ der in Frankfurt lebenden Künstlerin Adrian Williams. Der Garten ist allen Interessierten frei zugänglich. Ermöglicht wird die Präsentation der Werke Luthers durch den Förderkreis „Städel Gartengesellschaft“ mit zusätzlicher Unterstützung der Adolf-Luther-Stiftung Krefeld.