Die Arbeit “Capri Moon” (2011) von Tobias Rehberger im Städel Garten. Foto: Norbert Miguletz; © Tobias Rehberger

Bewegung im Städel Garten: Viele spannende, neue Skulpturen im Städel Garten werden derzeit ausgepackt und justiert, die damit den bevor stehenden Frühling nun endlich einläuten können. Denn auf dem Gartengelände rund um das Museumsgebäude bietet ab Ende April eine Vielzahl faszinierender Kunstwerke die Möglichkeit, einzigartige Entdeckungen unter freiem Himmel zu machen. Die neu erworbenen, installativen und zum Teil interaktiven Arbeiten der Künstler Olaf Nicolai, Tobias Rehberger, Jan Svenungsson sowie Janet Cardiff & George Bures Miller treten in Dialog mit bereits vorhandenen, nun aber ebenfalls neu positionierten Skulpturen von Künstlern wie Fritz Wotruba oder Michael Croissant. Auch die Künstler Per Kirkeby (Tor II, 1987) und Markus Lüpertz (Hirte, 1986) sind mit jüngst erworbenen und im Städel Garten aufgestellten Werken vertreten. Hier bekommt Ihr schon einmal einen ersten Überblick über die neuen Skulpturen.

Beim Aufbau: Die Bronzeskulptur „Reiter“ (1910/11) von Arthur Volkmann

Spielerisch, kontemplativ, fast mystisch

Die Kugel von Capri Moon (2011) des an der Städelschule lehrenden Künstlers Tobias Rehberger (geb. 1966 in Esslingen am Neckar) leuchtet nur dann über der Bank, wenn der Mond über der Insel Capri zu sehen ist. Er stiftet eine irreale, suggestive Verbindung zwischen zwei weit voneinander entfernten Orten. Die Plinthe könnte der Lichtkegel des Mondes sein – so wirkt die Installation spielerisch, kontemplativ, fast mystisch. Zugleich suggerieren die strenge Geometrie und nicht zuletzt die klare Linienführung eine ästhetische Spannung zwischen Kunst und Natur, Museum und Park, Nähe und Distanz.

Blickachse im Städel Garten: im Vordergrund die Skulptur „Narcisse (Brunnenfigur)“ (1928/29) von Gustav Heinrich Wolff, im Hintergrund Markus Lüpertz‘ Bronzeskulptur „Hirte“ (1986). Foto: Norbert Miguletz; © „Hirte“: VG Bild-Kunst, 2013

Der Gast wird zum Zuhörer, zum Lauschenden, zum Angesprochenen

In einer ruhigen Ecke des Gartens lädt eine zunächst unscheinbare Bank zum Verweilen ein: The Bench (2012) von Janet Cardiff & George Bures Miller (geb. 1957 in Brussels, Ontario, Kanada, bzw. 1960 in Vegreville, Alberta, Kanada). Nimmt man Platz, findet man sich unerwartet inmitten eines geflüsterten Monologs wieder. Eine Frauenstimme verliest einen Brief und kommentiert diesen zugleich: Wir werden zum Zuhörer, zum Lauschenden, aber auch zum Angesprochenen, wenn sich die verschiedenen Ebenen – Garten, Imagination, Brief, Dialog, Selbstgespräch – zunehmend vermischen. Die Soundinstallation richtet sich allein an den Hörsinn des „Betrachters“ und lässt dabei subjektive wie assoziative Bilder vor dem geistigen Auge entstehen.

Strenge und Schlichtheit

Shutter’s Lullaby/Ellipse for Städel (2012) des in Berlin lebenden Künstlers Olaf Nicolai (geb. 1962 in Halle a. d. Saale) ist ein begehbarer Pavillon aus schwarzen Perlenschnüren. Diese umschreiben zwei konzentrische Ellipsen, die zugleich transparent und geschlossen sind. Die Strenge und Schlichtheit der Formen erinnert an die wuchtigen Installationen Richard Serras. Zugleich erzeugen die ständige Bewegung und Überschneidung der Perlenschnüre eine Art optischer Täuschung, wie wir sie aus der Op-Art kennen.

Skulpturen im Städel Garten: Das Werk “Shutter’s Lullaby / Ellipse for Städel” (2012) von Olaf Nicolai ist im Vordergrund zu sehen, dahinter wird die Arbeit “Erster Schornstein II” (2013) von Jan Svenungsson noch aufgebaut. Foto: Norbert Miguletz.; © Olaf Nicolai und VG Bild-Kunst, Bonn 2013 / Jan Svenungsson

Surreale Orte

Zudem wird im Städel Garten Erster Schornstein II (2013) des schwedischen Künstlers Jan Svenungsson (geb. 1961 in Lund, Schweden) gezeigt. Die zehn Meter hohe Skulptur wurde erstmals 1992 vor dem Moderna Museet Stockholm als erste einer ganzen Reihe von Kunst-Schornsteinen platziert und zieht nun in den Städel Garten. Seit den 1990er-Jahren errichtet der in Berlin lebende Svenungsson vereinzelte, funktionslose Schornstein-Skulpturen und verwandelt damit unterschiedlichste Orte in surreale (Stadt-)Landschaften im Stile Giorgio de Chiricos.