Gegenwartskunst im Städel

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(M)Eine persönliche Lieblingsausstellung des Jahres 2012: Anthony McCall. Five Minutes of Pure Sculpture

Im Rahmen der aktuellen Kultur-„Blogparade“ ruft das Historische Museum Frankfurt Blogger dazu auf, über die spannendsten Ausstellungen im Jahr 2012 zu schreiben. Hier erfahrt Ihr mehr über eine Ausstellung, die – aus meiner Sicht – in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden sollte. Grund hierfür unter anderem: beim Betreten der sonst lichtdurchfluteten historischen Halle des Hamburger Bahnhofs zur Schau „Five Minutes of Pure Sculpture“ von Anthony McCall staunte man nicht schlecht, denn im ersten Moment sah man: Nichts.

Im Lichtkegel: “Anthony McCall. Five Minutes of Pure Sculpture”

 

Erlebnis für alle Sinne
Nur langsam gewöhnen sich die Augen an die Dunkelheit in dem Ausstellungsraum im Hamburger Bahnhof. Erst mit der Zeit sind in der von außen komplett abgedunkelten und innen von Nebel erfüllten Halle die Umrisse von Skulpturen zu erkennen – Skulpturen aus Licht. Die Lichtprojektionen des in New York lebenden Künstlers Anthony McCall (geboren 1943 in Großbritannien) bestehen aus weiß auf schwarz gezeichneten, animierten Linien, die in einen mit feinem Dunst gefüllten Raum projiziert werden und sich langsam im Raum bewegen. Die zweidimensionalen Zeichnungen gestalten sich dabei wie scheinbar konkrete, skulpturhafte Formen aus. Horizontal und vertikal strahlen sie als Lichtkegel von der Decke und den Wänden der Halle herab. Und obwohl die Wände dieser Kegel aus Licht das Auge perfekt täuschen und den Eindruck erwecken, man könne sie nicht durchschreiten, ist man mit einem beherzten Schritt plötzlich mittendrin und für kurze Zeit selbst Teil des Kunstwerks, taucht hinein und kann das Werk mit allen Sinnen erfahren. Genau das war das Faszinierende an der Ausstellung „Anthony McCall. Five Minutes of Pure Sculpture“, die vom 20. April bis zum 12. August 2012 in Berlin zu sehen war. Bei den Besuchern wurden aus „Five Minutes of Pure Sculpture“ beim Betrachten und Durchschreiten der Skulpturen schnell 120 Minuten – und mehr. Die Schau im Hamburger Bahnhof war die erste Einzelausstellung des in New York lebenden Künstlers in einem deutschen Museum.

 

Mein Ausstellungshighlight des Jahres 2012: “Anthony McCall. Five Minutes of Pure Sculpture” im Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart, Berlin

 

Solid Light Films
Die Solid Light Films, wie die Serie dieser Lichtprojektionen betitelt ist, sind eine Gruppe von Arbeiten, die Anthony McCall seit Beginn der 1970er Jahre entwickelt. Vor seinem Umzug von London nach New York 1973 war McCall im Umkreis der filmischen Avantgarde der London Film-Makers’ Co-op tätig. Sein Gesamtwerk bewegt sich zwischen den Bereichen Kino, Skulptur und Zeichnung. McCall zog sich Anfang der 1980er Jahre als praktizierender Künstler zurück, nahm ab 2003 aber die Arbeit an den Solid Light Films wieder auf, als ihm neue Technologien wie Computeranimation und digitale Projektion die Erweiterung seiner Formensprache ermöglichten.

Anthony McCall. Five Minutes of Pure Sculpture
Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart, Berlin
20. April bis 12. August 2012

Die Autorin Karoline Leibfried ist Pressereferentin des Städel Museums und der Liebieghaus Skulpturensammlung. Die Tatsache, dass sie daher ohnehin schon viel Zeit im Museum verbringt, hält sie nicht davon ab, auch in ihrer Freizeit die Augen nach spannenden Ausstellungen offen zu halten.

4 Kommentare zu (M)Eine persönliche Lieblingsausstellung des Jahres 2012: Anthony McCall. Five Minutes of Pure Sculpture

  1. Liebe Karoline Leibfried, liebes Städel-(Web)-Team,
    danke für die Teilnahme an der Ausstellungsblogparade 2012! Das klingt ja großartig! Schade, auch diese Ausstellung haben wir verpasst…. schöne Grüße vom anderen Main-Ufer, Nina Gorgus

    • Liebe Nina Gorgus,
      danke für Ihren Beitrag! Es gibt leider viel zu viele gute Ausstellungen, als dass man alle sehen könnte. Die gute Nachricht: Das neue Jahr hat ja gerade erst begonnen und hat sicher auch wieder vieles zu bieten. Also: auf ein Neues!
      Viele Grüße, Karoline Leibfried

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