Städel Blog

Der nackte Mann

Gleich zwei Ausstellungen widmeten sich vor Kurzem in Österreich ausschließlich der Darstellung des nackten männlichen Körpers in der Kunst. Aber auch im Städel Museum ziert derzeit ein unbekleideter Männerrücken das Plakat der Schau „Schönheit und Revolution. Klassizismus 1770–1820“.  In der Ausstellung gibt es noch viele weitere nackte Tatsachen zu entdecken. Dies nehmen wir zum Anlass, um in unserem Blogbeitrag das Phänomen der Darstellung nackter Männer in der Kunst des Klassizismus genauer zu beleuchten.

Antonio Canova (1757–1822); Theseus und Minotauros, 1783; Gips, 150 × 160 × 95 cm; Possagno, Museo e Gipsoteca Antonio Canova; Foto: Norbert Miguletz

Mit dem Stil des Klassizismus assoziiert man häufig Begriffe wie maßvoll, verhalten, schön. Aber: Die in der Ausstellung „Schönheit und Revolution“ präsentierte Skulptur „Fallender Titan“ zeigt einen verdrehten, fließenden Männerkörper, der kopfüber in die Tiefe stürzt. Gefangen in diesem dramatischen Moment vermag sich die Spannung in der Skulptur von Thomas Banks aus dem Jahr 1786 nie auf zu lösen. Auch das ist Klassizismus.

Skulptur des Monats: Thomas Banks (1735–1805); Fallender Titan, 1786; Marmor, 84,5 x 90,2 x 58,4 cm; Royal Academy of Arts, London; Foto: © Royal Academy of Arts, London

Im Städel Museum sind nicht nur immer wieder verschiedenste Werke aus der eigenen sowie aus internationalen Sammlungen in den aufwändigen Sonderausstellungen zu entdecken, auch die ständigen Sammlungsbereiche sind stets in Bewegung. Etwa, wenn Gemälde oder Skulpturen auf Reisen gehen und in anderen Institutionen gezeigt werden. So ist derzeit unter anderem das Gemälde „Goethe in der Campagna“ von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein auf dem Weg nach Paris. Dort wird es für drei Monate in keinem geringeren Museum als dem Louvre präsentiert. Aber keine Sorge – dafür empfängt Euch im Städel Museum nun im ersten Saal des Sammlungsbereichs „Kunst der Moderne“ ein komplett neu inszenierter Max-Beckmann-Raum.

Auch die permanenten Sammlungsbereiche sind stets in Bewegung. Hier wird gerade das Werk "Pietà" von Franz von Stuck gehangen.

Ewige Jugend: Ambrosia statt Botox

Sie stehen einander gegenüber und buhlen um die wohlgefälligen Blicke der Eintretenden. In der Ausstellung „Schönheit und Revolution. Klassizismus 1770–1820“ empfangen uns zwei schwesterngleiche Skulpturen, die beide Hebe, in der griechischen Mythologie die Göttin der Jugend, darstellen. Der Italiener Antonio Canova und der Däne Bertel Thorvaldsen haben ihre unvergängliche Schönheit in Stein gehauen. 

Mit der Schönheit Aug‘ in Aug‘: Die Heben von Antonio Canova und Bertel Thorvaldsen. Foto: Norbert Miguletz