Ohne Schublade

Liebestod in der Alten Oper – das Städel Blog zu Gast auf der Konzert-Couch

Gemeinsam mit der Bloggerin Ulrike Schmid besuchten wir das Junge Konzert des HR-Sinfonieorchesters in der Alten Oper Frankfurt. Dabei zeigte sich schnell: Der Kulturaustausch „Kunst trifft Musik“ hat sich mehr als gelohnt.

 

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Erlebnis Konzert: Das Geräusch, das entsteht, kurz vor Beginn der Veranstaltung beim Anstimmen der Instrumente

 

Ein Konzert lässt uns weit mehr Erleben, als nur das Hören des Werks: Das Geräusch, das entsteht, wenn Musiker kurz vor Beginn des Konzerts ihre Violinen, Harfen, Fagotte oder Posaunen anstimmen. Die Blicke, Bewegungen, Gesten der Dirigentin, die selbst nicht spielt, aber doch Mittelpunkt des Orchesters ist und wie ein Brennpunkt die Aufmerksamkeit bündelt und fokussiert. Die Konzentration, die sich durch den Saal trägt, wenn ein Stück endet und die darauf einsetzende Stille zum Teil der Musik wird. So geschehen beim Besuch eines Konzerts des hr-Sinfonieorchesters in der Alten Oper Frankfurt, auf das das Thema „Liebe, Tod und Liebestod“ hervorragend passte: Düstere, zuweilen tragisch-romantische Stücke der Komponisten Richard Strauss (1864 –1949), Alban Berg (1885–1935) und Richard Wagner (1813–1883) standen auf dem Programm.

Auf der Konzert-Couch
Gemeinsam mit der Bloggerin Ulrike Schmid besuchte das Städel Blog als Gast ihrer Konzert-Couch die Aufführung. Ulrike Schmid schreibt auf ihrem Blog Orchestrasfan nicht nur über klassische Musik, sie lädt auch Blogger, die sich eigentlich mit gänzlich anderen Themen befassen, auf die Konzert-Couch ein, um mit ihr ein Sinfoniekonzert zu besuchen. Auf Ulrike Schmids Einladung, ließen wir uns nicht lange bitten: Das Städel Blog – sonst blicken wir vor allem vor und hinter die Kulissen des Frankfurter Städel Museums – nahm Platz auf der Konzert-Couch. Aber bevor das Konzert beginnt, beantworteten wir den Steckbrief, den Ihr auf Ulrike Schmids Blog Orchestrasfan nachlesen könnt.

Ort des Geschehens ist der mit Mahagoniholz verkleidete „Große Saal“ der Alten Oper. Drei Komponisten, ein Orchester, eine Dirigentin, eine Sopranistin sowie eine Moderatorin sind die Zutaten des Abends. Dazu findet sich neben uns ein vornehmlich jugendliches Publikum im Konzertsaal ein, heute ist „Junges Konzert“. Was angesichts der größtenteils unter 30-Jährigen zunächst erstaunt, ist beim hr schon seit mehr als 50 Jahren Tradition: Zum Jungen Konzert sind speziell Schüler, Studierende und Auszubildende eingeladen, eine Moderatorin führt zudem durch den Abend und erläutert Hintergründe zu den Werken. Wer jetzt an Schulaufführungen mit hustenden und kichernden Jugendlichen, an klingelnde Handys und raschelndes Bonbonpapier denkt, kann aufatmen: selten können wir – Balkon, Empore links – so konzentriert ein Aufführung verfolgen wie hier.

 

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Zwischen Sing- und Sprechstimme: Sopranistin Petra Lang im Interview

 

Grundthema: Liebe und Tod
Mit den Werken der drei Komponisten Strauss, Berg und Wagner spüren wird deutlich Aufbruch von der Musik der Romantik zur Musik der Moderne des 20. Jahrhundert. So verschieden die Kompositionen, so ähnlich das Grundthema: Liebe und Tod. Die 1890 uraufgeführte Sinfonische  Dichtung „Tod und Verklärung“ von Richard Strauss eröffnet den Abend. Das Werk komponierte dieser zwar mit gerade einmal 26 Jahren und obwohl ein Fantasiestück, spüren wir den Paukenschlag gleichsam eines Herzschlages im Todeskampf. Was zunächst zaghaft und gedämpft beginnt, wird Nuance für Nuance deutlicher, die Möglichkeiten des Orchesters, seine Macht, sein voller Klang breiten sich aus! Die Aura des Originals zeigt sich also nicht nur beim Betrachten eines Kunstwerks, sondern auch beim Konzert – dem Moment, in dem Musik entsteht.

Zu Alban Bergs „Bruchstücke“ aus der Oper „Wozzeck“, einem der Hauptwerke des musikalischen Expressionismus, steht die Sopranistin Petra Lang auf der Bühne, die zwischen Sing- und Sprechstimme changiert. Wahnsinn und Irrsinn des Stücks drücken sich durch atonale Klänge und Dissonanzen aus, das Publikum verfolgt das Experiment von 1925 mit Spannung.  Nach der Aufführung fragt die Moderatorin die Sopranistin, ob es denn schwierig sei, während des Stücks zwischen den zwei Sprech- und Singstimmen zu wechseln. Ein klares „Nein“ ist die Antwort. So einfach also? Ungläubiges Lachen im Saal.

Zum Abschluss des Abends ertönt Wagners „Siegfried-Idyll“ (1870) sowie Vorspiel und Liebestod aus der 1865 uraufgeführten Oper „Tristan und Isolde“.  Während beim ersteren die Idee der Haus-Musik und des familiären Musizierens deutlich hervortritt (Wagner widmete das filigrane, klein besetze Werk seiner Frau Cosima), kann beim letzten Stück des Abends das Motiv Sehnsucht in seiner Gänze ausgebreitet werden. Sterben kann doch schön sein!

 

Für das Städel Blog nahm Silke Janßen Platz auf der Konzert-Couch. Obwohl sie sonst eher Kammerkonzerte bevorzugt, beeindruckte sie an diesem Abend besonders die Verbundenheit der Instrumente und die Verve der Dirigentin Simone Young.

 

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