An der Fassade bereits angebrachtes Banner: 48 Quadratmeter mit dem Heiligen Sebastian. Foto: Städel Museum

Wer ab 24. Februar 2016 das Städel besucht, wird im Ausstellungshaus auf zwei Etagen über 120 spektakuläre Leihgaben aus Sammlungen der ganzen Welt entdecken können, darunter nicht nur Gemälde, sondern auch Zeichnungen oder Skulpturen. Es sind Werke von Künstlern des Florentiner Manierismus, darunter Jacopo Pontormo, Agnolo Bronzino, Andrea del Sarto, Rosso Fiorentino und Giorgio Vasari. Einige der Werke werden dann zum ersten Mal außerhalb ihrer „Heimatstadt“ Florenz zu sehen sein, andere reisen aus New York, Los Angeles, Washington, Paris, Madrid oder Budapest nach Frankfurt.

Vision und Wirklichkeit: links: Das Untergeschoss des Miniaturmodells der Ausstellungsarchitektur. Rechts: Die Wände im Ausstellungshaus des Städel nehmen langsam Formen an. Foto: Städel Museum

48 Quadratmeter mit dem Heiligen Sebastian

Draußen an der Städel Fassade prangt bereits das 48 Quadratmeter große Ausstellungsbanner, das die Schau mit dem Motiv des „Heiligen Sebastian“ von Bronzino (Madrid, Museo Thyssen-Bornemisza) ankündigt. Doch bis die Ausstellung innerhalb der Museumsmauern tatsächlich eröffnet werden kann, ist noch einiges zu tun. Dass hier in nur wenigen Wochen die Schau präsentiert werden wird, ist aktuell noch kaum vorstellbar. Denn im Moment sieht man in den künftigen Ausstellungsräumen: Handwerker, Werkzeug und Leitern. Denn: für jede Städel-Ausstellung wird die Architektur neu gebaut. Dem geht ein langer Prozess voran.
„Die Frage, wie die Räume aufgeteilt werden, hängt in erster Linie von der inhaltlichen Konzeption der Ausstellung ab“, sagt Bastian Eclercy, Kurator der Schau. „Das ist dann natürlich ein Annäherungsprozess. Ganz am Anfang habe ich ganz allgemeine Vorgaben an den Architekten gegeben: Die Ausstellungsarchitektur sollte zum Beispiel die Extravaganz, den Variantenreichtum und die Eleganz des Manierismus widerspiegeln. Die Architekten beschäftigten sich auch mit der florentinischen Architektur der Zeit und deren Grundrissen. Daraufhin entstanden dann verschiedene Entwurfszeichnungen.“

Die Ausstellung in Miniatur

Von dem Entwurf, der letztlich überzeugte, wurde ein Miniaturmodell der Ausstellung im Maßstab 1 zu 25 gebaut, in dem die zuvor schon genau durchdachte Anordnung der Bilderhängung noch einmal durchgespielt werden konnte – mit maximal briefmarkengroßen Bildern auf Magnetfolie. Dabei erfolgte auch der letzte Feinschliff für die geplante Raumaufteilung und Hängung. Aktuell wird im Städel auf Hochtouren daran gearbeitet, die im Modell visualisierte Ausstellungsarchitektur im großen Maßstab zu realisieren. Dabei entstehen langsam Räume in den unterschiedlichsten Formen – unter anderem ein achteckiges Kabinett, das zu seiner Formgebung durch die Architektur der Tribuna, dem Hauptraum in den Florenzer Uffizien, inspiriert wurde.

Christian Piwellek (*1960, Kattowitz), freischaffender Künstler, arbeitet bereits seit April 2015 am Modell desTreppenhauses der Biblioteca Laurenziana (1524–59) für die Maniera-Schau. Foto: Städel Museum

Die spielerische Eleganz manieristischer Architektur

Schon lange bevor die Ideen zur Architekturplanung entstanden, gab es schon eine ganz bestimmte gestalterische Vorstellung des Kurators: „In der Ausstellung werden verschiedenste Kunstgattungen des Manierismus thematisiert – in einem Kapitel wird es etwa um den ‚Paragone’ gehen, den Rangstreit zwischen den Gattungen Malerei, Architektur und Skulptur. Deswegen war es naheliegend, dass wir exemplarisch auch manieristische Architektur in der Ausstellung abdecken“, so Bastian Eclercy.
Doch wie lässt sich Florentiner Architektur in ein Frankfurter Museum bringen? Die Lösung war ein detailgetreuer Nachbau: Für die Ausstellung wird ein Modell des von Michelangelo entworfenen Treppenhauses der Biblioteca Laurenziana (1524–59) im Maßstab von 1 zu 3 angefertigt. „Das Treppenmodell ist einerseits ein szenographisches, aber auch ein thematisches Element – und vor allem ein Experiment, denn so etwas gab es bisher noch nicht“, so Bastian Eclercy.

Einzelne Teile des entstehenden Treppenmodells. Foto: Städel Museum

Stück für Stück zum fertigen Modell

Geschaffen wird dieses raumfüllende Modell, das die spielerische Eleganz manieristischer Architektur veranschaulicht, von dem freischaffenden Künstler Christian Piwellek. Er arbeitet bereits seit April 2015 an dem Modell. Dessen unzählige Einzelteile nehmen derzeit immer konkretere Formen an, da sie Stück für Stück zusammengesetzt und bemalt werden. Unter anderem hat Christian Piwellek acht große Scheinfensterelemente, 16 Säulen und 22 kleine gedrechselte Baluster für den Handlauf der Treppe angefertigt, die wiederum aus verschiedenen Einzelelementen bestehen.
„Angefangen hatte ich mit den Säulen an der Frontwand, danach folgten die Säulen links und rechts daneben, anschließend habe ich die Scheinfenster und den Haupteingang gemacht. Als alle Wände fertig wurden, fing ich mit der Treppe an – die ist aus verschiedenen Platten zusammengeschraubt“, so Christian Piwellek. Im Moment wird noch der Handlauf mit den gedrechselten Balustern fertiggestellt, der zum Schluss auf der Treppe platziert werden wird.

Seltener Einblick: Eine unbemalte Seite des Treppenmodells für die Ausstellung im Querschnitt – Holz als Material für  Rückwand und Kanten, Styropor und Styrodur für die Frontpartie. Foto: Städel Museum

Ein Treppenaufgang aus Styropor, Holz und Styrodur

Für die aufwändige Anfertigung wurden verschiedenste Materialien verarbeitet: Die Säulen sind aus Styropor gefertigt. Mit Hilfe von je zwei runden Schablonenscheiben aus Holz und Heißdraht wurde dazu zunächst ein Zylinder geformt; für die Verjüngung der Säulen und die eine Steinoberfläche imitierende Optik wurde das Styropor mit Schmirgelpapier bearbeitet. Die Kapitelle der Säulen, die Scheinfenster und viele weitere Elemente sind aus Styrodur gefertigt, einem besonders leichten Material. Holz wurde nur sehr sparsam und ganz gezielt eingesetzt, etwa um Kanten noch präziser erscheinen zu lassen und um die Rückwände des Modells zu stabilisieren.
Erst wenn die Ausstellungsarchitektur kurz vor Beginn der Schau steht, können die verschiedenen Elemente des Treppenmodells final montiert werden. Das Modell wird dann den ersten Raum der zweiten Ausstellungsetage eröffnen – und diesem Moment blicken wir gespannt entgegen.

Damenbesuch: Ein Ausschnitt aus dem Städel-Porträt „Bildnis einer Dame in Rot (Francesca Salviati?)“  schmückt auf gedruckter Tapete das Treppenhaus zwischen den beiden Ausstellungsetagen. Foto: Städel Museum

Sägen, Hämmern, Streichen, Tapezieren

Bis es so weit ist, wird im Städel aber eine ganze Weile lang weiter gesägt, gehämmert, gestrichen – und tapeziert. So ziert zum Beispiel seit einigen Tagen eine rund 6,40 Meter lange und 2,40 Meter breite Tapetenbahn mit einem vergrößerten Bildausschnitt der um 1533 entstandenen „Dame in Rot“ von Bronzino – das Schlüsselwerk der Ausstellung – den Treppenabgang zur ersten Ausstellungsetage.

Wenn dann endlich alle Wände der Ausstellungsarchitektur fertig montiert und gestrichen, die letzten Schrauben des Treppenmodells festgezogen sind und auch das letzte Werk an der Wand hängt, könnt Ihr Euch von dem Ergebnis in der Ausstellung “Maniera. Pontormo, Bronzino und das Florenz der Medici” ab 24. Februar selbst ein Bild machen. Wir freuen uns auf Euch!