Jannikhe Möller: Was hat Sie auf den Onlinekurs zur Kunst der Moderne aufmerksam gemacht?

Anja Schöbel: Ich bin durch einen Zeitungsartikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf den Kurs aufmerksam geworden und habe mich gleich angemeldet – ich habe an diesem Abend nichts anderes mehr gemacht. Besonders die Art und Weise, wie Schauspieler Sebastian Blomberg die Kunst des Städel Museums präsentiert, hat mich begeistert. Da ich mich zu dieser Zeit fast ausschließlich beruflich mit Kunst beschäftigt habe, habe ich diese entspannte Vermittlungsform zu Hause vom Sofa aus sehr geschätzt.

Wieso eignet sich der Kurs besonders gut für den Schulunterricht?        

Schöbel: Der Onlinekurs bietet hervorragendes Material, das wir für unser Unterrichtsmedium nur ergänzen mussten. Da der Kurs modular angelegt ist und viele kürzere Filmclips enthält, kann man diese sehr gut im Schulalltag nutzen. So können die Lehrerinnen und Lehrer die Filme als Impulseinstiege für verschiedene Themenblöcke, etwa Raumgestaltung, Komposition und Farbe, verwenden und im Anschluss entscheiden, ob sie auf das begleitende Bild- und Arbeitsmaterial zurückgreifen wollen oder mit weiteren, eigenen Inhalten die Stunde gestalten möchten. Die von uns verwendeten Filme zeichnen sich gerade durch ihre Offenheit aus. Dies ist im Kunstunterricht, der ja von Kreativität und Spontanität leben soll, ein großer Vorteil.

Was mussten Sie ändern?

Schöbel: Zunächst einmal konnten wir leider nicht alle inhaltlichen Schwerpunkte des Kurses übernehmen. Dies hätte den Rahmen unserer FWU-Produktionen, die ungefähr auf 20- bis 30-minütige Filme angelegt sind, gesprengt und wäre im Schulalltag auch nicht praktikabel gewesen. Wir haben hauptsächlich mit dem ersten Modul gearbeitet. Denn hier werden die Grundlagen der Bildanalyse vermittelt, ein zentrales Rüstzeug im Kunstunterricht.

Ganz wichtig war es uns, den grundsätzlichen Charakter der Filme zu erhalten: Sie sollen in erster Linie die Lust am Entdecken von Unbekanntem wecken – und natürlich Spaß in der Auseinandersetzung mit Kunst. Um den Anforderungen der unterschiedlichen Kunstlehrpläne gerecht zu werden, haben wir an einigen Punkten die Inhalte des Kurses erweitert. Beispielsweise stellen wir unterschiedliche Arten der Perspektivgestaltung vor und gehen auch ausführlicher auf Farben ein. Dies gehört zum klassischen Kanon des Kunstunterrichts und wird durch unsere Filme sehr anschaulich vermittelt.

Zudem waren wir im Gegensatz zum Onlinekurs des Städel nicht auf Bildbeispiele aus der Moderne beschränkt. Dadurch konnten wir auch Gemälde aus Mittelalter und Renaissance in unserer Produktion aufnehmen. Da natürlich auch diese Epochen eine wichtige Rolle im Kunstunterricht spielen, ist dies ein großer Gewinn.

Hat Sie etwas bei der Arbeit an diesem Projekt überrascht?

Schöbel: Mich hat von Anfang an die Professionalität und Innovationskraft, mit welcher der Städel Kurs erarbeitet wurde, positiv überrascht. Man merkt sofort die Leidenschaft, die hinter der Umsetzung des Kurses steht. Diese Art der Kunstvermittlung nutzt digitale Formate, um dann auf den eigentlichen Museumsbesuch vorzubereiten – das ist ganz klar der richtige Weg in die Zukunft. Als sich mir dann am FWU die Möglichkeit bot, eine Produktion für das Fach Kunst vorzubereiten, war für mich der Städel Kurs ein großes Vorbild. Umso mehr hat es mich dann gefreut, dass es so schnell mit einer Kooperation zwischen Städel Museum und FWU geklappt hat. Dies lag auch daran, dass seitens des Städel eine große Bereitschaft da war, den Kurs an die Schulen zu bringen.

Was wird Schülern am Onlinekurs gefallen? Und was den Lehrern?

Schöbel: Ich hoffe, dass der Kurs den Schülerinnen und Schülern vermittelt, wie vielfältig und facettenreich Kunst ist. Sie lernen im Kurs nicht nur unterschiedliche Gestaltungsprinzipien kennen, sondern werden auch dazu ermutigt, sich auf die Bilder einzulassen – und Dinge zu entdecken, die ihnen vorher verborgen geblieben wären. Zudem werden sie auch immer wieder aufgefordert, selbst auf Spurensuche zu gehen:  Der Presenter richtet sich immer wieder mit direkten Fragen an die Schülerinnen und Schüler. Unser interaktives Onlinemedium bietet darüber hinaus mit Links zur Digitalen Sammlung des Städel Museums die Möglichkeit, mehr über Künstler, Entstehung und Malweise der Bilder zu erfahren.

Mit Presenter Sebastian Blomberg durch den Onlinekurs

Für die Lehrerinnen und Lehrer ist die FWU-Produktion natürlich eine wunderbare Möglichkeit, jenseits von Lehrbüchern, Dias oder Nachdrucken, wichtige bildanalytische Methoden zu vermitteln oder auch auf bestimmte Kunstwerke im Detail einzugehen. Ich weiß aus Gesprächen mit Pädagogen, dass viele eine filmisch ansprechende Vermittlung im Kunstunterricht bislang vermisst haben. Diese Lücke können wir nun füllen. Darüber hinaus gibt der Kurs natürlich auch erste Einblicke in die Welt des Museums: Da leider immer noch nicht alle Schulklassen die Möglichkeit haben, ein Kunstmuseum zu besuchen, kann auch hier die FWU-Produktion einen wichtigen Beitrag leisten. Noch schöner wäre es aber, wenn die Arbeit mit dem Kurs zum Anlass genommen wird, nun selbst das lokale Kunstmuseum zu besuchen.

Dr. Anja Schöbel: „Man merkt sofort die Leidenschaft, die hinter der Umsetzung des Kurses steht.“