Städel Blog

Drapiert auf einem Bett inmitten reicher Stoffe und orientalistischer Accessoires wirft die Haremsdame einen verführerischen Blick über die Schulter. Ihr nackter Körper ist in einer langen, geschwungenen Linie hingestreckt – sinnlich, betörend und anatomisch vollkommen unmöglich. Nur durch das Verlassen der naturalistischen Wiedergabe konnte Jean-Auguste-Dominique Ingres die monumentale Schönheit der Odaliske auf unserem Werk des Monats Mai darstellen. Zu bewundern ist sie nur noch bis Sonntag, 26. Mai 2013 in der Ausstellung „Schönheit und Revolution. Klassizismus 1770–1820“. 

Werk des Monats Mai: Jean-Auguste-Dominique Ingres (1780–1867); Odalisque, 1825; Lithografie, 132 x 210 mm; Städel Museum, Frankfurt am Main

 

Wäre die klassizistische Schönheit ein geografischer Ort, so hieße sie wohl Italien. Denn wenn sich Künstler des Klassizismus in ihren Gemälden einer Landschaft widmeten, zitierten die Abbildungen fast ausschließlich die italienische Landschaft. Auch unser Bild des Monats – zu sehen in der Ausstellung „Schönheit und Revolution. Klassizismus 1770–1820“ – zeigt einen Blick auf die Landschaft, wie sie sich dem Maler Joseph Anton Koch in der Nähe von Rom darbot, im Werk ergänzt um ein Ereignis aus der griechischen Mythologie: dem Raub des schönen Jünglings Hylas durch die Nymphen – ein Entführungsfall, bei dem das Opfer für immer vermisst blieb.
 

Unser Werk des Monats: Joseph Anton Koch (1768–1839); Landschaft mit dem Raub des Hylas, 1832; Öl auf Leinwand, 76 x 104 cm; Städel Museum, Frankfurt am Main - ARTOTHEK

 

Mit dem Stil des Klassizismus assoziiert man häufig Begriffe wie maßvoll, verhalten, schön. Aber: Die in der Ausstellung „Schönheit und Revolution“ präsentierte Skulptur „Fallender Titan“ zeigt einen verdrehten, fließenden Männerkörper, der kopfüber in die Tiefe stürzt. Gefangen in diesem dramatischen Moment vermag sich die Spannung in der Skulptur von Thomas Banks aus dem Jahr 1786 nie auf zu lösen. Auch das ist Klassizismus.

Skulptur des Monats: Thomas Banks (1735–1805); Fallender Titan, 1786; Marmor, 84,5 x 90,2 x 58,4 cm; Royal Academy of Arts, London; Foto: © Royal Academy of Arts, London

Kriegt er sie rum oder nicht? Emil Noldes Gemälde „Werbung” gibt auf diese Frage keine abschließende Antwort. Unser heutiges Bild des Monats lädt den Betrachter ein, selbst zu entscheiden, ob der junge Mann das Herz seiner Angebeteten erobert.

Bild des Monats im Februar: Emil Nolde; Werbung, 1916; 100 x 75 cm, Öl auf Leinwand; Städel Museum, Frankfurt am Main; Foto: © Städel Museum - ARTOTHEK; © Nolde Stiftung Seebüll