Städel Blog

Trendthema Weltuntergang!

Nur noch wenige Stunden bis zum 21. Dezember 2012, jenem Tag, an dem die Welt untergeht. Nein, dies ist nicht die Prophezeiung eines Sektenführers, keine obskure Illuminati-Verschwörungstheorie oder der nächste Hollywood-Blockbuster, sondern eine Annahme, die auf der astrologischen Zeitrechnung der Maya beruht. Grund genug für die Medien die allgemeine Endzeitstimmung auszurufen und den Weltuntergang zu beschwören. Die apokalyptischen Phantasmen, die sich derzeit in unseren Köpfen abspielen, sind in der Kunst schon längst gemalte Wirklichkeit.

Samuel Colman; Vor dem Weltuntergang; 1836-1838; Öl auf Leinwand; 137,2 x 199,4 cm, Brooklyn Museum, Bequest of Laura L. Barnes

FÜNF FRAGEN AN GÖTZ ALSMANN

In der Ausstellung „Schwarze Romantik“ treffen wir unverhofft auf prominenten Besuch: Der bekannte Jazzmusiker und Moderator der beliebten Fernsehsendung „Zimmer frei!“, Götz Alsmann, ließ sich von den Werken der Schwarzen Romantik in ihren Bann ziehen. Einer spontanen Interviewanfrage stimmt er sofort zu und wir erhalten auf fünf Fragen spannende und sympathische Einblicke in die Perspektiven eines promovierten Musikwissenschaftlers auf die Kunst.

Fünf Fragen an Götz Alsmann stellten Hanna Pahl (links) und Annabell Hurle (rechts), Mitarbeiterinnen des Städel Museums.

Als „krankhaft“ bezeichnete Goethe die schaurigen Geschichten des romantischen Schriftstellers E.T.A. Hoffmann. Überhaupt hatten die Stoffe, aus denen die Vertreter der Schwarzen Romantik ihre Werke formten, nur noch wenig mit den klassisch aufklärerischen Idealen des Dichterfürsten zu tun. Das grelle Licht der Aufklärung hatte in Europa einen vernunftübersättigten Nährboden hinterlassen, auf dem sich eine Lust am Fantastischen, Abgründigen und Bösen regte. Ihre Symptome zeigten sich zuerst in der Literatur, deren Titel folgerichtig „Elixiere des Teufels“ oder „Blumen des Bösen“ lauteten. Doch der Keim war schnell übergesprungen: Zahlreiche Künstler übertrugen literarische Stoffe auf ihr Medium, gaben den dämonischen Protagonisten ein Antlitz oder ließen sich davon zu eigenen Bilderfindungen anregen.

Carl Blechen, Pater Medardus, 1826. © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie

Anna Göldin – Europas letzte Hexe

Am 13. Juni 1782 schlug der Henker im schweizerischen Glarus Anna Göldin mit dem Schwert den Kopf ab. Diese letzte Hinrichtung einer Hexe in Europa wurde in einem typischen Hexenprozess vor dem protestantischen Gericht verhandelt: Die Verdächtige wurde verhört, gefoltert und anhand des so erreichten Geständnisses konnte „bewiesen“ werden, dass die Magd Anna Göldin (oft auch Göldi genannt) die achtjährige Anne Miggeli Tschudi mit Stecknadeln vergiftet habe. Doch nicht die Vergiftung als solche war ausschlaggebend für die Empörung, die diese Hinrichtung über die Grenzen der Schweiz hinaus auslöste. Die Magd habe den Mord „vermittelst geheimer und fast unbegreiflicher Beibringung“ der Nadeln begangen, kurz: mit Magie.

Johann Heinrich Füssli, Die drei Hexen, 1783, © Kunsthaus Zürich, Schenkung des Stadtrates Zürich