Im Zentrum von Akram Zaataris Video In This House (2005) steht ein Erinnerungsbericht des libanesischen Journalisten Ali Hashisho: Während der israelischen Invasion des Libanon in den 1980er-Jahren besetzte Hashisho mit Anhängern des Widerstandes ein leerstehendes Haus nahe der Kriegsfront im Süden des Landes. Als Hashisho das Haus mit den anderen Widerstandskämpfern nach sechs Jahren räumte, hinterließ er einen Dankesbrief, den er in einer Granathülse versiegelte und im Garten des Hauses vergrub.

Die Suche nach der vergrabenen Granathülse bildet den narrativen Rahmen des Videos. Durch das technische Verfahren des Splitscreen, liefert es gleichzeitig Hintergrundinformationen zum Protagonisten Ali Hashisho sowie Aufnahmen von Grabungsarbeiten der Bewohner und der ortsansässigen Polizei.

Die Ausgrabung des Briefes birgt Konfliktpotenzial, Momente der Irritation und des Argwohns werden vom Künstler auch filmisch umgesetzt, dabei verschränken sich Bild- und Tonebenen und fordern das Aufnahmevermögen des Zuschauers heraus.

Akram Zaatari wurde 1966 in Saida, Libanon geboren und wuchs im libanesischen Bürgerkrieg (1975-1990) auf. Zu dieser Zeit begann er, das Geschehen in seiner Umgebung zu notieren sowie Ton- und Filmaufnahmen zu machen. Bis heute beschäftigt sich der Künstler mit den Auswirkungen des Krieges in seinem Land. Dazu sammelt er Zeitdokumente von Privatpersonen, die nicht die offizielle Version der Geschichte widerspiegeln.

Zaatari studierte Architektur in Beirut und Medienwissenschaften in New York. Heute lebt und arbeitet er als Künstler und Kurator in Beirut. Seine preisgekrönten Filme liefen auf internationalen Festivals, darunter den den Filmfestivals in Rotterdam, Marseille, Toronto, Nantes und Oberhausen. Der Münchner Kunstverein, der Portikus in Frankfurt und die Photographische Sammlung in Köln widmeten ihm Einzelausstellungen. Zaataris Arbeiten sind unter anderem in den Sammlungen der Tate Modern, London, und des Centre Pompidou, Paris vertreten.

 

Die Studiengalerie 1.357 ist seit 2010 ein Gemeinschaftsprojekt des Städel Museums und der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Pro Semester werden zwei Ausstellungen in der Studiengruppe „Erinnerungskultur, Gedächtnispolitik und Bildgebrauch“ von Studierenden und Lehrenden der Geschichtswissenschaft und der Kunstgeschichte zusammen mit Mitarbeitern des Städel Museums erarbeitet. Mit diesem innovativen Lehrformat der Studiengruppen verfolgt die Goethe-Universität das Ziel, die klassische Seminar-Situation aufzubrechen.