Hinter den Kulissen

Verborgenen (Kunst-)Schätzen auf der Spur: Ein Blick in die Depoträume des Städel

Nur ein Prozent der Städel Werke ist in den Ausstellungsräumen des Museums zu sehen, der Großteil der Arbeiten befindet sich in den gut gesicherten Depots, in die man normalerweise nicht gelangt. Wir bringen für Euch Licht ins Dunkel und haben für das Blog einen genauen Blick in die Schatzkammern des Städel geworfen.

 

Blick in eins der Depots des Städel Museums. Foto: Norbert Miguletz

Blick in ein Depot des Städel Museums. Foto: Norbert Miguletz

 

Es braucht mehrere Umdrehungen des Schlüssels im Schloss der massiven Sicherheitstür, bis sich diese langsam öffnet. Ein Griff zum Lichtschalter, und es offenbart sich, abschnittsweise: die Depotanlage des Städel Museums. Bei der Länge und Verzweigung des Ganges fällt es im ersten Moment schwer, sich zu orientieren.

 

Sesam öffne dich: Ein Städel-Mitarbeiter schließt die Sicherheitstür zu einem der Depots auf.

Sesam öffne dich: Ein Städel-Mitarbeiter schließt die Sicherheitstür zu einem der Depots auf.

 

Die Ordnung und Sichtbarmachung des Verborgenen
Kaum zu glauben, aber nur ein Bruchteil der Städelschen Sammlung ist ausgestellt. Der Rest lagert für den Besucher im Verborgenen. Die Lagerung der Städel-Sammlung will gut organisiert sein. Insgesamt hat das Städel elf verschiedene Kunstdepots, deren Inhalte nach Entstehungszeit und materieller Beschaffenheit der Werke sortiert sind. Allein fünf Depots beherbergen Gemälde, zwei beinhalten Fotografie, zwei weitere Lagerräume sind für Skulptur reserviert, ein Raum für Arbeiten auf Papier und einer allein für Rahmen. Im Zuge der Städel-Erweiterung sind neben der Verdoppelung der Ausstellungsfläche auch neue Depotflächen für die Sammlung hinzugekommen. Dabei war natürlich eine der wichtigsten Fragen: Wie bewahrt man den Überblick bei einer 200 Jahre alten und ständig weiter anwachsenden Sammlung? Da im Städel Werke und Rahmen größtenteils separat voneinander gelagert werden, wurden deswegen beispielsweise alle Rahmen fotografiert und digital erfasst, um bei der großen Material- und Formatvielfalt aus über 700 Jahren Kunstgeschichte zu überblicken, welches Bild zu welchem Rahmen gehört.

 

 

Das Rahmenlager des Städel Museums

Das Rahmenlager des Städel Museums

 

Auf das richtige Klima kommt es an
Der Weg durch die Gänge von Depot-Tür zu Depot-Tür wird begleitet von einem permanenten, sonoren Surren. Das sind die Anlagen, die das Klima konstant halten. Dabei sind alle Depots unterschiedlich klimatisiert. Ölgemälde werden bei ca. 50 Prozent Luftfeuchtigkeit und bei ca. 20 Grad Celsius Temperatur gelagert. Für Arbeiten auf Papier sind ebenfalls Lagerbedingungen um möglichst konstante 50 Prozent Luftfeuchtigkeit und 20 Grad Celsius ideal. Fotos sind empfindlicher. Sie dürfen nur bei maximal 45 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit und maximal 18 Grad Celsius archiviert werden. Während die Fotografien und Arbeiten auf Papier in speziellen Kartons aufbewahrt werden, hängen die Gemälde an mobilen Gitterwänden, die man ein- und wieder ausfahren kann. Darunter befindet sich – gerade in der Gegenwartskunst – gerne auch schon mal das ein oder andere Werk, das so groß ist, dass es eine dieser Wände für sich allein beansprucht.

 

Von großem Format: Gerade Arbeiten der Gegenwartskunst haben oft große (Aus-)Maße. Die Unterbringung all dieser Werke ist auch aus Platzgründen eine Herausforderung für das Städel Team – denn die Sammlung wächst ständig weiter.

Von großem Format: Gerade Arbeiten der Gegenwartskunst haben oft große (Aus-)Maße. Die Unterbringung all dieser Werke ist auch aus Platzgründen eine Herausforderung für das Städel Team – denn die Sammlung wächst ständig weiter.

 

Die Sammlung in ständiger Bewegung
Doch viele Werke in den Depots ruhen nicht lange still und friedlich in ihren Kisten oder an ihren Halterungen. Die Sammlung des Städel – und damit auch die Arbeiten in den Depots – ist in ständiger Bewegung. Im Zuge der Städel-Erweiterung gab es allein zwischen 2009 und 2012 rund 10.000 Objektbewegungen. Im Sommer 2013 wurden beispielsweise für die Sonderausstellung „Hans Thoma. ‚Lieblingsmaler des deutschen Volkes‘“ bis auf eine Hand voll Bilder alle in der Schau gezeigten Werke aus den Depots bereitgestellt.

 

Die Hüter der Depots
Im Städel arbeitet eine ganze Reihe von Mitarbeitern regelmäßig in den Depots: Restauratoren sichern den Zustand und Erhalt der Werke, Techniker überwachen die Klimaanlagen und die Sicherheitstechnik, der Ausstellungsdienst ist für die Abwicklung des Leihverkehrs zuständig, ein weiterer Mitarbeiter verwaltet das Depot. Die Kuratoren sichten regelmäßig den Bestand und entwickeln neue Ausstellungskonzepte, die darüber entscheiden, welche Werke der Sammlung aus dem Depot das Licht der Ausstellungsräume erblicken – und welche dort weichen müssen.
Die Schaffung weiteren kostbaren Platzes im Depot ist – gerade auch mit Blick auf die Zukunft – eine herausfordernde Aufgabe. So wird in diesem Jahr noch ein weiteres Depot für historische Fotografien eingeweiht. Und dieser Raum wird auch dringend gebraucht, denn allein im vergangenen Jahr gelangten 1.300 Fotografien in die Städel Sammlung.

 

 

Links: Im Tresor der Graphischen Sammlung werden mit Messgeräten Luftfeuchtigkeit und Temperatur kontrolliert, um die Arbeiten auf Papier konservatorisch ideal zu lagern. Rechts: Innerhalb des fünfstöckigen Tresors der Graphischen Sammlung werden die empfindlichen Kunstwerke mit einem speziellen Aufzug transportiert.

Links: Im Tresor der Graphischen Sammlung werden mit Messgeräten Luftfeuchtigkeit und Temperatur kontrolliert, um die Arbeiten auf Papier konservatorisch ideal zu lagern. Rechts: Innerhalb des fünfstöckigen Tresors der Graphischen Sammlung werden die empfindlichen Kunstwerke mit einem speziellen Aufzug transportiert.

 

Über 100.000 Kunstschätze in einem Tresor auf fünf Etagen
Neben den beschriebenen Depots beherbergt das Städel noch in einem weiteren Raum wertvolle Schätze: Im „Tresor“ der Graphischen Sammlung, der sich auf fünf Etagen erstreckt, werden über 100.000 Arbeiten auf Papier lichtgeschützt gelagert. Denn anders als Gemälde oder Skulpturen können Arbeiten auf Papier, Zeichnungen, Druckgraphiken sowie auch Fotografien, aufgrund ihrer hohen Lichtempfindlichkeit nicht permanent ausgestellt werden. Der Besucher kann diese Schätze zum einen turnusweise in den temporären Ausstellungen entdecken. Zum anderen besteht – im Gegensatz zu den übrigen Depots – für den Besucher die Möglichkeit, sich Werke aus dem Tresor in den großen Studiensaal der Graphischen Sammlung bringen zu lassen, um sie ganz aus der Nähe zu studieren. Zu welchen Zeiten man hier auf Schatzsuche gehen kann, erfahrt Ihr auf der Städel Website.

 

Die Autorin Karoline Leibfried ist Pressereferentin am Städel. Bei der Recherche für diesen Blogbeitrag war sie in fachkundiger Begleitung in der Depotanlage unterwegs – sonst wäre sie vielleicht heute noch dort. Und das nicht nur wegen der Möglichkeit, sich zu verirren, sondern auch, weil sie es so spannend fand, dort verborgene Kunstwerke zu entdecken.

 

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