Hinter den Kulissen

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Beckmann in Frankfurt

Wie kein anderer Maler ist Max Beckmann (1884-1950) mit Frankfurt und dem Städel Museum verbunden und dass, obwohl er in der Stadt am Main zufällig gestrandet ist. Eigentlich wollte der Maler nur ein paar Tage bleiben – daraus wurden 17 Jahre.  

Quappi und Max Beckmann mit Käthe von Porada am Steuer, Frankfurt am Main 1925. Foto: Max Beckmann Archiv

Nach seiner krankheitsbedingten Entlassung als Sanitätssoldat aus dem Kriegsdienst suchte Beckmann im Herbst 1915 eine Unterkunft. Sein alter Studienfreund Ugi und seine Frau Friedel Battenberg nahmen ihn in der Schweizer Straße Nr. 3, nahe der Untermainbrücke, auf. Der Freund überließ ihm sein eigenes Atelier im vierten Stock, nebst einem angrenzenden Zimmer, das Beckmann als Wohn- und Schlafzimmer nutzte. Eine Küche brauchte er nicht, da er bei den Battenbergs aß. 

Friedel Battenberg im Hause des Freundes Herman Feith (links Beckmann, in der Mitte Friedel Battenberg und rechts Ugi mit den zwei Töchtern von Feith). Foto: Max Beckmann Archiv

Frankfurt hatte Beckmann vom ersten Tag an fasziniert. Wenn sich der Maler nicht in seinem Atelier unweit des Städel zurückzog, liebt er es, am späten Nachmittag in der Hotelhalle des Frankfurter Hofs einen Kaffee oder einen Drink zu nehmen.Abends,noch lange nach Mitternacht, traf man ihn oft im Restaurant des Hauptbahnhofs, wo er neben Sekt und Muschelsuppe seine Brasilianischen Zigarren genoss. Es war das hektische Treiben dieser Orte, das geschäftige Hin und Her, die Möglichkeit, Menschen zu beobachten, die in magisch anzog. 

Max Beckmann auf dem Balkon seines Ateliers in der Schweizer Straße 3, 1932. Foto: Max Beckmann Archiv

In der Stadt am Main feierte er die ersten großen Erfolge: 1925 wurde er als Lehrer an die damalige Städelschule berufen und zog später mit seiner zweiten Frau Mathilde von Kaulbach, die er Quappi nannte, in eine damals am Stadtrand gelegene Wohnung in der Steinhausenstrasse 7, auf dem Sachsenhäuser Berg. Das Atelier nahe dem geliebten Fluss behielt er weiterhin zum Arbeiten. Als Ausgleich unternahm er lange Spaziergänge über den Sachsenhäuser Berg oder durch den Frankfurter Stadtwald.

Brief Max Beckmann an Rudolf Freiherr von Simolin, vom 20.3.1930. Foto: Max Beckmann Archiv

Die Beckmanns waren eng mit vielen Intellektuellen Frankfurts befreundet. Dazu zählten unter anderem Dr. Heinrich Simon, der Chefredakteur und Benno Reifenberg der Leiter des Feuilletons der Frankfurter Zeitung, Prof. Georg Swarzenski, der Direktor des Städelschen Kunstinstitutes oder Sammler und Förderer wie das Ehepaar von Schnitzler oder Käthe von Porada.

Max Beckmann in seinem Atelier in der Schweizer Straße 3 in Frankfurt, Anfang der 1920er-Jahre. Foto: Max Beckmann Archiv

Bereits vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten war der Künstler heftigen Angriffen gegen seine Malerei ausgesetzt. Die Entlassung aus dem Lehramt 1933 war ausschlaggebend für den Umzug in die Großstadt Berlin, wo er hoffte erstmal untertauchen zu können. Kurz darauf war er gezwungen nach Amsterdam ins Exil zu flüchten. Beckmann hat Frankfurt nie wieder betreten.

Als der Maler in Amerika seine letzten Lebens- und Schaffensjahre verbringt, dachte er sehr gerne an Frankfurt zurück – auch erinnert ihn so manches an die geliebte Stadt und er hält schließlich in seinem Tagebuch fest, dass sich sein Weltbild seit Frankfurt nicht geändert hat.

Die Ausstellung „Beckmann & Amerika“ ist noch bis 8. Januar im Städel zu sehen.

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