Gegenwartskunst im Städel

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Der Künstler K. O. Götz zu Besuch im Städel

Letzte Woche besuchte einer der bedeutendsten deutschen Nachkriegskünstler das Städel Museum: Der 98-jährige K. O. Götz, Hauptvertreter des Informel, reiste mit seiner Frau, der Künstlerin Rissa, nach Frankfurt, um den Städel-Neubau und die Neupräsentation der Sammlung zu besuchen. Dabei kam es zu einer Wiederbegegnung mit drei seiner Werke, die in der aktuellen Sammlungspräsentation ausgestellt sind. Auch die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth ließ es sich nicht nehmen, den einstigen Bürger der Stadt persönlich zu begrüßen.

Dr. Martin Engler (Sammlungsleiter Gegenwartskunst im Städel), K. O. Götz, Oberbürgermeisterin Dr. Petra Roth, Rissa (v.l.)

K. O. Götz alias Karl Otto Götz zählt zu den Gründungsvätern des deutschen Informel: Unverkennbar stehen seine Kunstwerke für die abstrakt-gestische Malerei, die Götz ab Mitte der 1950er-Jahre in Serie zu malen begann. Götz suchte damals nach einer neuen künstlerischen Technik und einem neuen Material. Durch Schleudern, Zerkratzen und Verwischen seiner speziellen Farbmischung – einer Kombination aus Kleister und wasserlöslicher Farbe  –  zerstörte er die klassischen Formelemente und rückte seinen spontanen und unkontrollierten Malgestus in den Vordergrund.

K. O. Götz vor seinem Gemälde im Städel.

Bereits 1932 begann K. O. Götz – übrigens gegen den Willen seines Vaters – an der Kunstgewerbeschule seiner Heimatstadt Aachen zu studieren. Später wechselte er an die Kunstakademie in Dresden. Schon 1933 entstanden die ersten abstrakten Werke. Im Zuge der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde K. O. Götz ein Arbeits- und Ausstellungsverbot erteilt – heimlich arbeitete er jedoch im Atelier weiter.

K. O. Götz, Ohne Titel, 1956. (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2012

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Götz sehr gute Kontakte zu Künstlern in Paris, dort schloss er sich der Künstlergruppe CoBrA an. Die Ausstellung „Neoexpressionisten“, 1952 in der Frankfurter Zimmer Galerie, erregte großes Aufsehen: Zu sehen waren Werke von K. O. Götz, Bernard Schultze, Otto Greis sowie Heinz Kreutz. Die vier Maler schlossen sich schließlich zu der Künstlergruppe „Quadriaga“ zusammen. Die Gruppe gilt bis heute als Ursprung der deutschen Informel-Malerei.

Das Städel zeigt die Werke von K. O. Götz zusammen mit seinem Künstlerkollegen Bernhard Schultze (v.l.)

In Frankfurt, wo K. O. Götz von 1950 bis 1959 lebte, wohnte und arbeitete er in einer Dachgeschoss-Wohnung in dem Stadteil Bornheim. Das Appartement wurde rasch zum Treffpunkt vieler Künstler und Literaten. In den legendären Jazz-Clubs der Stadt, in denen damals auch viele amerikanische GIs verkehrten, war er Stammgast. Götz wurde schließlich als Professor an die Kunstakademie in Düsseldorf berufen. Zu seinen bekanntesten Schülern gehören unter anderem Sigmar Polke und Gerhard Richter.

Dank einer großzügigen Schenkung des Ehepaars Margarethe und Klaus Posselt gelangten 2011 drei weitere wichtige Werke von K. O. Götz in die Sammlung des Städel. Sie sind eine große Bereicherung für die Sammlung der Gegenwartskunst im Städel.

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