Ohne Schublade

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Der Masterstudiengang Curatorial Studies geht in die nächste Runde

Die Goethe-Universität Frankfurt und die Städelschule bieten in Kooperation mit dem Städel Museum und weiteren namhaften Frankfurter Institutionen einen international einzigartigen Masterstudiengang an. Curatorial Studies – Theorie – Geschichte – Kritik heißt er und richtet sich an künftige MuseumskuratorInnen, AusstellungsmacherInnen und KunstkritikerInnen. Im kommenden Wintersemester startet der dritte Jahrgang, für den die Bewerbungsfrist am 31. Mai 2012 endet. Wir haben uns unter den baldigen Absolventen einmal umgehört.

Studentinnen des Masterstudiengangs beim Ortsbesuch im Weltkulturen Museum. Foto: W. Günzel

Wer in Frankfurt Curatorial Studies studiert, sitzt nicht nur im Hörsaal und der Bibliothek sondern taucht direkt in das Berufsleben von Kuratoren und Kunstkritikern ein. Die Goethe-Universität und die Städelschule kooperieren mit dem Städel Museum, der Liebieghaus Skulpturensammlung, dem MMK – Museum für Moderne Kunst Frankfurt, dem Historischen Museum, dem Weltkulturen Museum und dem Portikus. Hier haben die Studenten die Chance, Theorie- und Fachwissen mit kuratorischen Fragestellungen und praktischen Kenntnissen zu verbinden. Im Zentrum des Studiengangs steht die wissenschaftliche Reflexion über Kuratieren und Kunstkritik als intellektuelle und ästhetische Herausforderung. Ziel ist der Erwerb einer Kompetenz, die objektbezogenes Arbeiten mit Theorie- und Fachwissen verbindet. Dabei ist es ein besonderes Anliegen des Studiengangs, die bislang eng an Gegenwartskunst gebundenen Diskussionen über Kuratieren und Kunstkritik auf frühere Epochen und andere wissenschaftliche Disziplinen auszuweiten. Vor zwei Jahren startete der Studiengang und nun befinden sich die Studenten des ersten Jahrgangs in ihrem letzten Semester und schreiben ihre Masterarbeit. Welche Erfahrungen sie gemacht haben, lesen Sie  hier:

Vivien (Studienschwerpunkt Kunstgeschichte, Gegenwartskunst), 25 Jahre:
Als der Studiengang, der von Stefanie Heraeus geleitet wird, zum ersten Mal ausgeschrieben war, habe ich mich sofort beworben. Nach meinem Kunstgeschichtsbachelor in Berlin habe ich insgeheim darauf gewartet, dass ein solches Programm ins Leben gerufen wird. Nachdem ich angenommen wurde, bin ich sofort nach Frankfurt gezogen. Die große Anzahl an erstklassigen Museen und Ausstellungshäusern in der Stadt hat mich sofort begeistert. Der Studiengang erleichterte den Zugang zu den Institutionen sehr, da er mit nahezu allen Häusern in Frankfurt kooperiert. In den so genannten „Curator’s Series“ trafen wir Kunst- und Museumsleute aus unterschiedlichen Bereichen. So gibt Martin Engler, Sammlungsleiter für Gegenwartskunst am Städel Museum, Seminare. Susanne Gaensheimer, Direktorin des MMK, spricht mit uns über ihre Ausstellungskonzepte und ihre Sammlung. Oder wir treffen den Kurator Vasif Vortun in der Städelschule und sprechen über seine Institution SALT in Istanbul. Ein persönliches Highlight war für mich ein Seminar bei Swantje Karich, Kunstressortleiterin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Sie zeigte uns, wie wir Artikel schreiben, wir besuchten Ausstellungen und stellten uns die Frage, was ist eigentlich „gute“ Kunst. In Swantje Karichs Seminaren lernten wir unglaublich viel über uns selbst, sie zeigte uns, wie wir unseren eigenen Standpunkt finden und förderte dabei unsere Interessen. Mein zweites Highlight waren die Kurse mit Daniel Birnbaum, ehemaliger Rektor der Städelschule und jetzt Direktor am Moderna Museet in Stockholm. Er besprach mit uns Ausstellungen, Messen, Biennalen und Kataloge. Wir blickten in die Geschichte zurück und untersuchten z. ,B. die Konzepte von Kuratoren wie Harald Szeemann, Pontus Hultén oder besprachen Künstler wie Marcel Duchamp. Daniel Birnbaum hat ein unglaubliches Wissen über die Kunstszene, das er in Gesprächen immer gerne weitergibt.

Maité (Studienschwerpunkt Kunstgeschichte, Alte Meister), 29 Jahre:
Als ich mich beworben habe, war mir klar, dass dieser Studiengang eine einmalige Chance bietet. Die Museumslandschaft in Frankfurt ist geradezu perfekt dafür geeignet: die Neueröffnungen im Städel oder die bevorstehende Wiedereröffnung des Historischen Museums machen diese Stadt gerade für zukünftige Kuratoren zu einem idealen Studienplatz. Was ich mir von dem Studiengang erhofft habe, war auf der einen Seite eine theoretische Vertiefung und auf der anderen Seite die praktische Anwendung und Vermittlung. Beides hat sich erfüllt… Teil des Programms sind zum Beispiel wöchentliche Museumsbesuche, bei denen eine Ausstellung oder ein Konzept mit dem/der zuständigen Kurator/in besprochen wird. Gleichzeitig werden auch Studiobesichtigungen organisiert und die Kunstressortleiter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung betreuen ein Seminar zur Ausstellungskritik. Höhepunkte meines Studiums waren sicherlich die beiden Praktika, die ich absolvieren konnte. Während meines Praktikums im Städel Museum war ich intensiv in die Arbeit rund um die Neueröffnung und Neupräsentation der Sammlung der Alten Meister bei Sammlungsleiter Prof. Dr. Jochen Sander eingebunden. Während meines Praktikums an der Österreichischen Galerie Belvedere in Wien konnte ich im Rahmen des Projektes „Wiener Tafelmalerei 1430-1530“ praktische Erfahrungen in der Erschließung und Verwaltung von Dokumentationsmaterialien zum Forschungsthema sammeln. Darüber hinaus konnte ich bei den kunsttechnologischen Untersuchungen der projektrelevanten Tafelbilder mitwirken. Meine Masterarbeit dreht sich auch ganz um das Städel, und zwar habe ich anhand von historischen Hängeplänen die ursprünglichen Präsentationen der Städelschen Sammlung an der Neuen Mainzer Straße (1833) und dem jetzigen Standort am Schaumainkai (1878) wiederaufgebaut. Im Rahmen dieses Projektes wird eine Website entstehen, bei der die Besucher durch die verschiedenen Räume schreiten können und Informationen zu den einzelnen Bildern abrufen können.

Aviva (Studienschwerpunkt Kunstgeschichte, Gegenwartskunst), 25 Jahre:
Als ich vor knapp zwei Jahren mein Bachelor Studium an der Central Saint Martins School of Art & Design in London abgeschlossen hatte, wollte ich vor allem die Deutsche Kunst- und Museumslandschaft kennenlernen. Der neue Frankfurter Master-Studiengang bot mir diese Chance und ermöglichte mir gleichzeitig mein Studium interdisziplinär an einer Kunstschule und innerhalb der Geisteswissenschaften, wie ich es bereits aus England kannte, fortzuführen. Die Zusammenarbeit mit den Museen erfolgt hier in einem hohen Maße. Die Direktoren und Kuratoren der Museen gehören unmittelbar zu unseren Ausbildern. Besonders begeistert haben mich hier der direkte Kontakt zu den Künstlern der Städelschule und die Einblicke in die kuratorische Arbeit von Martin Engler, Sammlungsleiter der Gegenwartskunst am Städel Museum. Dort habe ich ein Praktikum gemacht und später als studentische Aushilfe gearbeitet. Jetzt schreibe ich meine Masterarbeit. Darin konzipiere ich eine Ausstellung zu den Arbeiten Frank Auerbachs. Am liebsten wäre mir natürlich eine Präsentation im Städel Museum. Dorthin gehören seine Bilder. Bewerbungsvoraussetzung ist ein Bachelorabschluss oder ein mindestens gleichwertiger Abschluss in Kunstgeschichte, Archäologischen Wissenschaften, Kunstpädagogik, Philosophie, Ethnologie oder Geschichte. Absolventen künstlerischer Studiengänge können ebenfalls zugelassen werden.

Ausführliche Informationen zum Studium auf http://www.kuratierenundkritik.net/.

Die Autorin Julia Schneider studierte Kunstgeschichte und unterstützt die Presseabteilung tätkräftig während ihres Praktikums. Als gebürtige Hamburgerin schlägt ihr Herz für Caspar David Friedrich.

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