Hinter den Kulissen

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POMPEJI, GOETHE UND DAS BAUHAUS: MIT DEM STÄDELVEREIN IN WEIMAR UND HALLE

Mitglieder des Städelvereins genießen nicht nur exklusive Einblicke in die Sammlungen von Städel und Liebieghaus. Auf dem vielseitigen Programm der über 7.000 Mitglieder starken Gemeinschaft stehen auch immer wieder eintägige Kunsttrips oder mehrtägige Reisen zu den wichtigsten Kunstereignissen, spannendsten Museen oder kulturhistorisch bedeutsamen Städten der Republik aber auch darüber hinaus. Die letzte Exkursion führte den Städelverein nach Weimar und Halle. Hier kommt unser ausführlicher Reisebericht.

Rokokosaal in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, © Klassik Stiftung Weimar, Foto: Maik Schuck

Unter der kunsthistorischen Leitung von Heike Komnick führte es den Städelverein im August nach Weimar und Halle. Der erste Tag startete in Weimar bei sommerlichem Wetter mit einem Besuch der nach Plänen von Henry van de Velde errichteten Bauhaus-Universität. Hier standen die bekannte Wendeltreppe sowie drei rekonstruierte Wandmalereien von Oskar Schlemmer im Fokus des Interesses. Schlemmer ist immerhin ein alter Bekannter aus der Sammlung des Städel Museums, wo er mit Werken wie „Tischgesellschaft“ oder „Halbfigur nach links“ prominent vertreten ist. Weiter ging es zum Bauhaus-Museum, wo wir einen interessanten Einblick in die Entwicklung des Staatlichen Bauhauses bekamen. Die Künstler der Zeit haben sich immer wieder intensiv mit der Darstellung der menschlichen Figur im Raum und dem modernen Menschen auseinandergesetzt. Nach einer ausgiebigen Kaffeepause und einem erfrischenden Eis, besuchten wir das Wittumspalais, der ehemalige Witwensitz der Herzogin Anna Amalia, und spazierten anschließend zum Jakobsfriedhof. Besonders Eifrige genossen den wunderbaren Blick auf die Stadt vom Kirchturm der Jakobskirche, bevor dann alle erschöpft, aber begeistert vom ersten Tag in das Hotel zurückspazierten.

Links: Auf dem Weg zur Bauhaus-Universität; rechts: Der Städelverein vor den rekonstruierten Putzreliefs von Oskar Schlemmer in den Wandnischen des Treppenaufgangs des Van de Velde-Baus

Selbstverständlich spielt Goethe nicht nur im Städel, sondern vor allem auch in Weimar eine zentrale Rolle. Bei einem Besuch im Goethehaus besichtigten wir die mit antiken Büsten ausgestatteten Räume, die von der intensiven Auseinandersetzung des Dichterfürsten mit seinen antiken Vorbildern zeugen. Diesen Eindruck konnten wir auch auf den Schlössern Belvedere, Tiefurt, Ettersburg und besonders im Weimarer Stadtschloss und dem Römischen Haus vertiefen.
Nach einer ausgiebigen Mittagspause stand ein Besuch in der berühmten Herzogin Anna Amalia Bibliothek auf dem Programm, die nach dem verheerenden Brand im Jahr 2004 inzwischen wieder für Besucher geöffnet ist.

Links: Auf direktem Weg zu Goethes Wohnhaus; rechts: Die Gruppe am Römischen Haus, das sich Herzog Carl August in seinem Park an der Ilm erbauen ließ

Ein Ausflug nach Halle führte uns schließlich zur eindrucksvollen Landesausstellung „Pompeji, Nola, Herculaneum. Katastrophen am Vesuv“. Über 600 Exponate, darunter kunstvolle Wandmalereien, die zum Teil erstmals außerhalb Italiens zu sehen waren, gaben ein faszinierendes Bild von den Schätzen Pompejis und seinen antiken Bildwerken. Selbstverständlich stand die 79 n. Chr. bei einem Ausbruch des Vesuvs zerstörte Stadt auch auf Goethes Reiseroute und prägte ihn nachhaltig.

Links: Pompeji-Ausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle; rechts: Ansicht auf die Marienkirche, Vorbild für das Werk „Marienkirche mit dem Pfeil“ von Lyonel Feininger

Nicht nur in Weimar, auch in Halle hat das Bauhaus seine Spuren hinterlassen. So hatte der Bauhausmeister Lyonel Feininger auf der Moritzburg sein Atelier. Seine drei in der Moritzburg ausgestellten Halle-Bilder – ehemals existierten elf dieser Gemälde – sind für die Kunstgeschichte, aber auch für die Stadt von besonderer Bedeutung; ihrer interessanten Entstehungsgeschichte folgten wir beim anschließenden Feininger-Rundgang durch Halle. Wie Lyonel Feininger, durchstreiften wir die Gassen, betrachteten mit seinen Augen das Stadtbild und konnten die besondere Atmosphäre und Farbigkeit aufnehmen, die Feiningers Bilder auszeichnen. Im Städel Museum ist Feininger übrigens unter anderem mit dem „Dorfteich von Gelmeroda“ aus dem Jahre 1922 vertreten.

Während der gesamten Reise konnte Heike Komnick immer wieder interessante und auf den ersten Blick verborgene Bezüge zur Städel-Sammlung aufzeigen. So werden sicher alle Teilnehmer nach den Eindrücken dieser Reise beim nächsten Städelbesuch „ihre“ Frankfurter Bilder aus einem ganz neuen Blickwinkel sehen.

Vielleicht möchten auch Sie mit unserem Freundeskreis auf Reisen gehen? Die nächsten Reisen für die Kunstfreunde im Städelverein sind bereits in Planung, alle Infos hierzu finden Sie unter www.staedelverein.de.

 

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