Hinter den Kulissen

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Techniken der Fotografie (3/10): Die großen Erfinder des 19. Jahrhunderts

Die Entdeckung der Fotografie kam nicht plötzlich und unerwartet. Sie war Folge einer Jahrhunderte währenden Beschäftigung mit den Phänomenen der Optik, Mechanik und Chemie. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts schafften mehrere Wissenschaftler gleichzeitig und zum Teil unabhängig voneinander den Durchbruch in der Entwicklung dauerhaft haltbarer fotografischer Verfahren.

Der erste Mensch, dem es gelang, ein Abbild der Wirklichkeit auf eine lichtempfindliche Platte zu bannen, war Joseph Nicéphore Niepce (1765–1833). Jahrelang machte er zahllose Versuche mit chemischen Stoffen und testete deren Reaktion hinsichtlich Lichtempfindlichkeit und Haltbarkeit in einer Camera obscura.

Joseph Nicéphore Niepce (1765–1833)

Der langersehnte Durchbruch gelang dem Franzosen allerdings erst über 30 Jahre nach den ersten Versuchen, als Niepce im Jahre 1824 Asphalt als lichtempfindliche Schicht einsetzte. Der Asphalt wurde in Petroleum aufgelöst und anschließend auf eine Glas-, Stein-, Silber-, Zinn- oder Kupferplatte dünn aufgetragen. Bei der Belichtung wurde der Asphalt hart, während sich die unbelichteten Stellen mit einem Lösungsmittel von der Platte entfernen ließen. Auf diese Weise entstand ein Bild, das an den von der Asphaltschicht befreiten Stellen geätzt oder graviert wurde. Von der eingefärbten Druckplatte konnten schließlich Abzüge gemacht werden. Diese so belichteten Platten nannte Niepce Heliographien.

Kardinal Amboise, Heliographie, 1827

In Joseph Nicéphore Niepces Haus in Gras en Châlon entstand 1826 schließlich auch das erste bis heute erhaltene Foto. Die Belichtungszeit für diese Aufnahme betrug unglaubliche acht Stunden.

Niepce, 1826: Die erste erhaltene Fotografie der Welt.

Auch Louis Jacques Mandé Daguerre (1787–1851), seines Zeichens berühmter Theatermaler in Frankreich, befasste sich intensiv mit der Idee der Fotografie. Er strebte eine Zusammenarbeit mit Niepce an, doch dieser lehnte vorerst ab. Da Niepces Entdeckung der Heliografie zu diesem Zeitpunkt allerdings keinen großen öffentlichen Anklang fand, sah sich Niepce schließlich trotz starker Bedenken veranlasst, 1829 einen Partnerschaftsvertrag mit Daguerre abzuschließen.

Louis Jacques Mandé Daguerre (1787–1851)

Doch stetig uneins über Forschungsmethoden und Vorschläge des jeweils anderen, konnten die beiden keine weiterführenden Neuentwicklungen vorweisen, bis Niepce 1833 schließlich starb. Daguerre setzte seine Versuche fort und entdeckte 1835 fast zufällig, dass durch die Belichtung einer Jodsilberplatte ein nicht sichtbares Bild entstand, das mit Hilfe von Quecksilberdampf entwickelt und so sichtbar gemacht werden konnte. Mit diesem Verfahren gelang es ihm, die Belichtungszeit von ca. acht Stunden auf durchschnittlich sieben Minuten rapide zu verkürzen. Schon zwei Jahre später konnte er das Bild mit einer einfachen Kochsalzlösung fixieren.

Erste nach Deutschland gelangte Originalkamera von Daguerre: Das Kameragehäuse besteht aus zwei ineinandersteckenden, verschiebbaren Holzkästen zur Scharfeinstellung des Motivs. Eine einfache Metallklappe verschließt das stark abgeblendete Objektiv, dass aus einer einfachen achromatischen Linse besteht. Diese Kamera befindet sich heute im Deutschen Museum, München.

Bis heute streitet die Kunstgeschichte darüber, ob Daguerre als der alleinige Erfinder der Fotografie bezeichnet werden kann. Sicher ist, dass er den entscheidenden Schritt zur Fixierung von Bildern auf einem Bildträger gemacht hat, doch ohne Niepces Vorarbeit wäre ihm dies vermutlich niemals geglückt.

William Henry Fox Talbot (1800–1877)

Parallel zu den Entwicklungen auf dem Kontinent waren auch die Englänger nicht untätig: 1835 gelang es William Henry Fox Talbot (1800–1877), ein lichtbeständiges Bild herzustellen. Doch da die Daguerreotypie ein sehr viel besseres Bild erzeugte, konnte er seinen Anspruch als eigentlicher Erfinder der Fotografie vor Daguerre nicht geltend machen. Im September 1840 gelang Talbot jedoch ein entscheidender Schritt. Er entwickelte das Negativ-Positiv-Verfahren, die sogenannte Kalotypie: Bei diesem Verfahren wird zuerst ein Negativ vom abzubildenden Bild hergestellt. Auf dem Negativ verändert sich die Abbildung umgekehrt zum Helligkeitsgrad und der Farbe des Lichts. Dunkles wird hell, Helles wird dunkel.

 

Kalotypie (Papiernegativ), Aussicht in Rom, ca. 1855

 

Salzpapier-Print des Negativs, verblasst

Salzpapier-Print des Negativs, verblasst

Um ein originalgetreues Bild zu erhalten, muss der Prozess dann nochmals umgekehrt werden: Von einem Negativ wird ein Positiv entwickelt – das Foto. Dieses Negativ-Positiv-Verfahren ermöglichte die grenzenlose Vervielfältigung eines Bildes vom Negativ. Des Weiteren konnte Talbot mit seinem bahnbrechenden Verfahren die Belichtungszeit einer Fotografie auf durchschnittlich eine Minute reduzieren, sechs Minuten schneller als Daguerre. Bereits 1844 gab Talbot sein erstes, berühmt gewordenes Buch mit dem Titel „The Pencil of Nature“ heraus, das 24 Original-Kalotypien enthielt.

 

Tor vor Schloss Abbortford aus “Sun Pictures in Scotland”

Seit etwa 1860 wurde die Kalotypie zur Grundlage aller wesentlichen fotografischen Prozesse und löste damit die Daguerreotypie ab.

Wie rasant die Entwicklung der Fotografie im 19. Jahrhundert weiterging erfahrt ihr in Teil 4 unserer Reihe zu Techniken der Fotografie.

Techniken der Fotografie: Fotografie im Fokus, Teil 1

Techniken der Fotografie: Die Camera obscura, Teil 2

Die Autorin Julia Schneider studierte Kunstgeschichte und unterstützte die Presseabteilung des Städel tatkräftig während ihres mehrmonatigen Praktikums. Als gebürtige Hamburgerin schlägt ihr Herz für Caspar David Friedrich.

 

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