Neues zu den Alten Meistern

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Unser Bild des Monats: Umbrischer Meister, die Legende des Heiligen Augustinus

Bei unserem „Bild des Monats“ im August handelt es sich eigentlich um drei kleinformatige, querrechteckige Bilder, die in einem modernen Rahmen zusammengefasst und im kleineren Italiener-Saal der Altmeister-Abteilung zu besichtigen sind: „Die Legende des Heiligen Augustinus“ eines Umbrischen Meisters, entstanden um 1500.

Umbrischer Meister, Die Legende des Heiligen Augustinus, Predella, um 1500

Diese drei Tafeln sind sogenannte Predellentafeln: Eine Predella (auch „Altarstaffel“ genannt) besteht aus einer oder mehreren klein- und querformatigen Einzeltafel(n), die unter dem Hauptbild angeordnet ist. Da sie immer dessen gesamte Breite einnimmt, stellt die Predella eine Art Sockelzone dar. Sie kommt schon in italienischen Altarbildern des 14. Jahrhunderts vor und dient oft dazu, Geschichten zu erzählen. In unserem Fall nimmt der unbekannte, in Umbrien tätige Meister die wichtigsten Stationen aus dem Leben des Heiligen Augustinus in den Blick, die von seinem Bekenntnis zum Christentum berichten: So wird auf der ersten Tafel die Taufe des Heiligen Augustinus durch den Heiligen Ambrosius dargestellt. Die Mitteltafel zeigt mit seiner Einkleidung in ein Ordensgewand seine Entscheidung für ein geistliches Leben. In der letzten Szene sieht man schließlich den Heiligen im Streitgespräch mit seinen religiösen Gegnern, den Manichäern (den Anhängern einer spätantiken Offenbarungsreligion, die die Welt im absoluten Spannungsfeld zwischen Gut und Böse sahen).

Umbrischer Meister, Die Einkleidung des Heiligen Augustinus durch den Heiligen Ambrosius, um 1510, Mitteltafel, Städel Museum

In ihrer besonderen Gestaltung sind die drei Tafeln Paradebeispiele für zentrale Gestaltungsprinzipien der italienischen Renaissance: Sie erfüllen mit Bravour die Bedingungen, die schon der Architekt und Kunsttheoretiker Leon Battista Alberti in seinen Schriften über die Malerei an jene Künstler stellt, die die wahren Vertreter der „maniera moderna“ – eben der  Renaissance – sein wollten. Ganz im Sinne Albertis sind die Bilder wie ein Fenster aufgebaut, durch das man in einen illusionistischen Tiefenraum schaut; in erzählerischer Wiedergabe (storia), durch eine Fülle von Figuren (copia) und deren unterschiedliche Positionierung im Raum wie auch deren Körpersprache (varietas) werden die Episoden aus dem Leben des Heiligen Augustinus so lebendig wie aus dem wahren Leben erzählt. Und schließlich ist es die geradezu ins Auge springende Zentralperspektive, mit deren erster Anwendung in den 20er-Jahren des 15. Jahrhunderts die Renaissance ihren Anfang genommen hatte.

Umbrischer Meister, Der Heilige Ambrosius tauft den Heiligen Augustinus, um 1500, linke Tafel, Städel Museum

Doch wer hat die drei Predellentafeln gemalt? In der älteren kunsthistorischen Diskussion wurden Perugino, Pinturicchio oder und der junge Raffael genannt. Doch keiner von ihnen kommt tatsächlich in Frage, auch wenn die Bilder Ähnlichkeiten mit ihren Werken zeigen. Sie müssen im Umfeld von deren Werkstätten in Umbrien entstanden sein. Daher auch der „Notname“: Umbrischer Meister.

Umbrischer Meister, Der Heilige Augustinus disputiert mit dem Häretiker Fortunatus, um 1500, rechte Tafel, Städel Museum

 

4 Kommentare zu Unser Bild des Monats: Umbrischer Meister, die Legende des Heiligen Augustinus

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,
    sehr interessant, lehrreich und immer wieder eine Freude Ihre gelungenen Bildvorstellungen und andere Infos über Ihre Aktionen, etc. direkt ins Haus geliefert zu bekommen. Das macht Lust auf mehr, und spornt an, bald wieder bei Ihnen vorbeizukommen.
    Liebe Grüße
    Anita Lappas

    • Vielen Dank für Ihr Lob – das wiederum spornt uns an weiterhin viele Themen für den Städel-Blog zu recherchieren.
      Beste Grüße
      Axel Braun

  2. Ja, ich habe mich auch über die Abbildung des Umbrischen Meisters gefreut. Womit ich mich überhaupt nicht anfreunden kann, sind diese “ufo-glubschaugen”. Da besteht nicht die geringste Verbindung zur. erhabenen Architektur des Museums. Aber ich will das nicht weiter vertiefen

    Mit freundlichen Grüßen Hermann zur Strassen

    • Der Bemerkung über die “Ufo-Glubsch-Augen” kann ich mich nur anschließen. Aber heutzutage ist die Idee, dass sich ein Gestaltungselemt in sein Umfeld einfügen sollte nicht “sehr sexy”. Das wäre zu wenig “avantgardistisch”, zu eingebunden in die Harmonie-Gesetze der Natur. Leider trifft diese Blindheit für die Gesetzmäßgkeiten von lebendiger Kunst auf vieles zu, was heutzutage aktuell ist und was ich allenfalls als “Kommerz-Kunst” bezeichnen würde.

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