Was folgt auf Rembrandt? Richtig: Renoir, Rondinone, Roederstein und Reni.  Doch auch andere Künstlerinnen und Künstler (und Anfangsbuchstaben) sind vertreten – die Vorfreude auf ein neues, kunstreiches Jahr steigt!

Ambitioniert ins neue Jahr

Mit „Nennt mich Rembrandt!“ stehen passend zum Jahresbeginn weiterhin große Ambitionen auf dem Programm. Lasst euch inspirieren von der Erfolgsgeschichte eines Müllerssohns, dessen Name zum Markenzeichen wurde. „Merkt Euch meinen Namen!“ Wer könnte das nicht?

Rembrandt Harmensz. Van Rijn, Die Blendung Simsons, 1636, Städel Museum, Frankfurt am Main

Übrigens: Im Podcast „Blinded by Rembrandt“ bespricht Michel Abdollahi nicht nur das Städel Gemälde, Rembrandts „Die Blendung Simsons“, sondern ganz nebenbei auch die großen Themen der Menschheit.

Identitätskonflikte

Für diese Auseinandersetzungen bevorzugt Andreas Mühe ein anderes Medium: In seinen aufwändig inszenierten Fotografien in besonderen Umgebungen mit dramatischem Licht beschäftigt er sich mit Brüchen in der Gesellschaft, mit Gewalt, mit deutsch-deutscher Identität und der Befragung seiner selbst und der eigenen, komplexen Familiengeschichte. Ab Februar zeigt das Städel Museum in rund 45 Werken Andreas Mühes „Stories of Conflict“, die euch fragen lassen: Was ist echt, was ist inszeniert? Oder auch: Steht da wirklich Angela Merkel unterm Baum?

Andreas Mühe, Unterm Baum, 2008, aus der Serie: Angela Merkel, © Andreas Mühe, VG Bild-Kunst Bonn, 2021

Renoir trifft Rokoko

Unter Bäumen und in der Natur treffen wir uns auch im März wieder. Spaziergänge in Parkanlagen, Pausen im Freien und Gartenfeste – farbenfrohe, frühjährliche Orte und Aktivitäten, die wir im Winter herbeisehnen. Der Impressionist Pierre-Auguste Renoir hatte eine Vorliebe für diese Themen, die er mit der Motivwelt des Rokoko teilte – Antoine Watteau, Jean-Baptiste Siméon Chardin, François Boucher und Jean-Honoré Fragonard lassen grüßen.

Pierre-Auguste Renoir, Nach dem Mittagessen (La fin du déjeuner), 1879, Städel Museum, Frankfurt am Main
Pierre-Auguste Renoir, Frau mit Sonnenschirm in einem Garten, 1875, © Museo Nacional Thyssen-Bornemisza, Madrid
Pierre-Auguste Renoir, Der Spaziergang, 1870, The J. Paul Getty Museum, Los Angeles, Foto: Digital image courtesy of the Getty’s Open Content Program

Zu Lebzeiten Renoirs erlebte die Malerei des Rokoko eine Renaissance. „RENOIR. ROCOCO REVIVAL“ heißt die große Frühjahrssausstellung aber auch, weil sie die vielschichtige Auseinandersetzung mit dem Rokoko im Impressionismus umfassend vorstellt. Die treffenden Gegenüberstellungen der Kunst Renoirs mit Werken des 18. Jahrhunderts und seiner Zeitgenossen sorgen für große Überraschungen (und Frühlingsgefühle).

Menschsein

Über die Druckgrafik erschlossen US-amerikanische Künstlerinnen und Künstler seit den 1960er-Jahren neues Terrain – das ging als „Graphic Boom“ in die Kunstgeschichte ein. Louise Bourgeois, Chuck Close, Jim Dine, Jasper Johns, Bruce Nauman, Jackson Pollock, Larry Rivers, Kiki Smith, Kara Walker und viele andere fanden unkonventionelle und vielfältige Wege, sich auszudrücken. Dabei beschäftigte sie nach dem Zweiten Weltkrieg insbesondere das Thema des „Menschseins“. Von April bis in den Sommer zeigt „Into the New“ Druckgrafiken, Zeichnungen und Multiples aus der Graphischen Sammlung, die diesem Thema auf den Grund gehen.

Kiki Smith, Untitled (Hair), 1990, Städel Museum, Frankfurt am Main, © Kiki Smith

Ein Jahr im Schnelldurchlauf

Lächelnd, traurig, bedrohlich, skeptisch, überrascht oder schaurig: Jeder nach einem Monat benannt, begegnen euch ab Juni im Städel Garten zwölf überlebensgroße Skulpturenköpfe. Die Werkgruppe Sunrise. East des Schweizer Künstlers Ugo Rondinone, lässt euch ein ganzes Jahr im Schnelldurchlauf erleben. Zeitgleich ist die Ausstellung Ugo Rondinone. Life Time in der SCHIRN zu sehen.

Ugo Rondinone, sunrise. east. february, 2005, Courtesy the artist, Foto: Stefan Altenburger

Eine großartige Nachbarin

Das Warten hat ein Ende: 2022 ist mit FREI. SCHAFFEND. in Frankfurt endlich die umfassende Retrospektive der Porträtmalerin Ottilie W. Roederstein zu sehen. Neben ihren Werken, die Tendenzen der Kunst der Moderne widerspiegeln, zeigt die Ausstellung auch historische Fotografien, Dokumente und Briefe aus dem Roederstein-Jughenn-Archiv, das als Nachlass seit 2019 im Städel aufbewahrt und wissenschaftlich aufgearbeitet wird.

Fotografie, Roederstein-Jughenn-Archiv im Städel Museum, Frankfurt am Main

Erlebt die Entwicklung dieser facettenreichen Künstlerin, die sich im männlich dominierten Kunstbetrieb und über gesellschaftliche Normen hinweg durchsetzte, und deren Atelier – ganz nebenbei – nur wenige Schritte vom Städel Museum entfernt war.

Seltenes aus der Sammlung

Im Herbst zeigt die Graphische Sammlung ein weiteres Mal, was in ihr steckt: Aus dem umfangreichen Sammlungsbestand kommt eine Auswahl von besonders seltenen Werken zum Vorschein. Neben dem Meister E.S. und Martin Schongauer sind in der Ausstellung über den frühen Kupferstich zahlreiche weitere Künstler ihres Fachs vertreten. Ihre Werke zeigen, wie der Kupferstich schon vor der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern neue gestalterische Möglichkeiten eröffnete.

Martin Schongauer, Die Versuchung des heiligen Antonius, um 1470-1480, Städel Museum, Frankfurt am Main

Von großen Auftraggebern und einer großen Wiederentdeckung

Er war einmal der Malerstar des italienischen Barock: Guido Reni. Ob der Papst oder die Queen, die bedeutendsten Auftraggeber begehrten seine Werke. Der religiöse und zugleich abergläubische, gefeierte und hoffnungslos spielsüchtige Reni wusste es wie kein anderer die Schönheit des Göttlichen in Malerei zu übersetzen. In Zusammenarbeit mit dem Museo Nacional del Prado öffnet das Städel Museum eure Augen für die Kunst dieser großen, ambivalenten und aus der Öffentlichkeit verdrängten Persönlichkeit. Diese Wiederentdeckung wird der krönende Abschluss des Jahres.

Guido Reni, Bacchus und Ariadne, um 1616/17, Los Angeles County Museum of Art