Der „Göttliche“ Guido Reni verlässt uns so schnell nicht: bis zum 5. März 2023 habt ihr noch die Chance, Renis große Gemälde und feinen Zeichnungen aus nächster Nähe zu bestaunen. Im Anschluss lässt das Ausstellungsprogramm jedoch auch keine Wünsche offen: das Jahr geht sehnsüchtig, fantastisch, herausragend, überraschend, aber auch etwas mystisch weiter und endet mit bedeutenden Renaissancewerken und fantastischen Blumen.

Ausstellungsansicht „Guido Reni. Der Göttliche“ im Städel Museum, Frankfurt am Main, Foto: Norbert Miguletz

Ab in den Süden

Wer träumt im kalten, grauen Winter nicht von einem warmen Sehnsuchtsort? Hat man einmal Italien vor Augen, sprudeln die Bilder im Kopf. Im romantischen Venedig mit der Gondel über den Canal Grande schippern, die vielen prachtvollen Kuppeln in Rom oder den Vesuv am Horizont entdecken, den Blick auf die steile Costa d’Amalfi und das tiefblaue Meer genießen… Seit Generationen träumen sich die Menschen in den mediterranen Süden. Ab Februar präsentiert das Städel eine Auswahl der frühen Italienfotografie der Jahre 1850 bis 1880 aus der eigenen Sammlung und lässt Sehnsüchte wach werden.

Carlo Naya, Venedig: Blick auf Markusbibliothek, Campanile und Dogenpalast, um 1875, Städel Museum, Frankfurt am Main, Foto: Städel Museum, Frankfurt am Main

Der Schein trügt

Aus großen Leuchtkästen und Gemälden strahlen uns die Landschaften von Philipp Fürhofer – Palmenblätter, Sonnenuntergänge und Wälder – entgegen. Eine Art mystische Dschungellandschaft wird als wandfüllende Arbeit den Raum seiner Einzelausstellung durchdringen – hier ist nicht alles so, wie es scheint. Fürhofer beschäftigt sich mit der Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur, dem Kapitalismus und der Zerstörung von Lebensräumen. Es ist eine trügerische Naturromantik.

Philipp Fürhofer, Ersatzwelt, 2022, Courtesy of the artist, © Philipp Fürhofer, Foto: Henning Moser

HERAUSRAGEND!

Ist das noch Malerei oder schon Skulptur? Das Highlight im Sommer 2023 ist eine große Ausstellung zum Relief in der Kunst von 1800 bis in die 1960er-Jahre. Künstlerinnen und Künstler wie Auguste Rodin, Henri Matisse, Pablo Picasso, aber auch Sophie Taeuber-Arp, Yves Klein und Louise Nevelson haben sich intensiv mit den Grenzen der zweidimensionalen Malerei auseinandergesetzt und ihre Werke in den Raum erweitert. Beginnend bei klassischen Arbeiten aus Marmor und Bronze, wurden später auch kuriose Alltagsgegenstände und Fundstücke in die Kunst integriert. Welch aufregendes und wortwörtlich herausragendes Medium, dass es zu entdecken gilt!

Pablo Picasso, Violine (Violon), 1915, Musée national Picasso, Paris, © Paris, Musée national Picasso - Paris, bpk | RMN - Grand Palais | Béatrice Hatala
Auguste Rodin, Junge Mutter in der Grotte (Jeune mère à la grotte), 1885, Musée Rodin, Paris, © Musée Rodin, Foto: Christian Baraja
Henri Matisse, Rückenakt I (Nu de dos I), 1909, Hamburger Kunsthalle, © SHK / Hamburger Kunsthalle / bpk, Foto: Christoph Irrgang

Ein ganzes Jahr auf einen Blick

Reduziert auf ihre Mimik begegnen euch im Sommer 2023 zwölf verschiedene überlebensgroße Skulpturenköpfe im Städel Garten. Sie reißen den Mund auf, lächeln schüchtern oder etwas überschwänglich, halten den Kopf schief und schauen uns direkt an. Der Schweizer Künstler Ugo Rondinone zeigt mit der Werkgruppe Sunrise. East ein ganzes Jahr auf einen Blick: Jeder Kopf ist nach einem Monat benannt. Die Ausstellung läutet die Gartensaison im neugestalteten Städel Garten ein.

Ugo Rondinone, sunrise. east. March, 2005, Courtesy the artist, Foto: Stefan Altenburger

Alte Meister im Dialog

Der rumänische Künstler Victor Man schafft in dunklen Farbnuancen aus Dunkelgrün, Tiefblau und Schwarz eine eindringliche und melancholische Bildwelt. Dabei verarbeitet er zahlreiche Einflüsse aus vergangenen Zeiten, unter anderem der Frührenaissance, aber auch des Symbolismus. Es liegt nahe, Victor Mans Kunstwerke in der Sammlung Alte Meister zu präsentieren. Die intimen und unverkennbaren Selbstbildnisse und Porträts aus den letzten 10 Jahren seines Schaffens eröffnen einen faszinierenden Dialog zwischen Geschichte und Gegenwart.

Victor Man, Girl in Love With a Wound, 2020 / 2021, Privatsammlung, Frankfurt am Main, © Victor Man / VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Courtesy of the artist und Galerie Neu, Berlin, Foto: Stefan Korte

Augsburg – die Hauptstadt der Renaissance?!

Augsburg war ein Zentrum der Künste – neben Nürnberg entwickelte sich hier die Malerei der Renaissance. Nördlich der Alpen war Augsburg wie kaum eine andere Stadt schon im ausgehenden 15. Jahrhundert von der Kultur Italiens beeinflusst: Die Alpenpässe in erreichbarer Nähe und die kunstliebenden Händler der Zeit haben es möglich gemacht. Große Namen sind hier Hans Holbein der Ältere und Hans Burgkmair der Ältere. Sie gelten neben Albrecht Dürer als wichtigste Wegbereiter für die Malerei der Renaissance. Zum Ende des Jahres 2023 wird diese Zeitenwende in der großen Sonderausstellung „Diesseits. Renaissance im Norden“ thematisiert.

Hans Burgkmair, Bildnis des Hans Schellenberger, 1505, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln, © Rheinisches Bildarchiv Köln / Sabrina Walz, RBA C 004453
Hans Burgkmair, Bildnis der Barbara Schellenberger, 1507, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln, © Rheinisches Bildarchiv Köln, RBA C 004538

Ein fantastisches Ende

Angenehmer Duft, pastellige Farbtöne und die Schönheit der Natur liegen nicht weit entfernt von tödlichem Gift, Vergänglichkeit und fantastischer Inszenierung. Was sehen wir in Miron Schmückles Werken? Es sind Blumenwelten voller Fantasie, hyperrealistisch gemalt. Der rumänisch-deutsche Künstler träumte bereits als Kind von anderen Welten und setzt sich mit Flora und Fauna ferner Länder auseinander. Lasst eurer Fantasie freien Lauf.

Miron Schmückle, Non saturatur oculus visu VI, 2018, Privatsammlung, © VG Bild-Kunst, Bonn 2022